Staatsanschaltschaft Frankfurt erhebt Anklage gegen drei U60311-Türsteher

Wie hr-online berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt vier Monate nach dem Tod des 31-jährigen Briten Lee John H. Anklage gegen drei U60311-Türsteher erhoben. Angeklagt wegen gemeinschaftlichen Totschlags seien zwei 33-Jährige und ein 28-Jähriger. Weiter heisst es, dass nicht gegen den Betreiber des U60311, Alexander Eger, ermittelt werden würde. Dennoch versuche die Stadt Frankfurt als Vermieter der Diskothek unter dem Roßmarkt weiterhin alles, um das U60311 loszuwerden und dort langfristig einen anderen Club zu etablieren.

Mann in Disko getötet
Anklage gegen drei U60311-Türsteher

Das U60311 kurz nach den tödlichen Türsteher-Schlägen in der Nacht zum Ostermontag.
Mehr als vier Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Gastes der Frankfurter Diskothek U60311 sind drei Türsteher wegen Totschlags angeklagt worden. Laut Staatsanwaltschaft gingen sie mit äußerster Brutalität gegen ihr Opfer vor.

Angeklagt wegen gemeinschaftlichen Totschlags sind zwei 33-Jährige und ein 28 Jahre alter ehemaliger Türsteher des U60311. Alle drei sitzen seit dem Tod des Gastes in Untersuchungshaft.

Laut Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Frankfurt, die hr-online vorliegt, schlugen die Männer mit äußerster Brutalität in der Nacht zum Ostermontag auf den 31 Jahre alten Briten Lee John H. ein – ohne, dass der eine Schlägerei provoziert hatte. Der Brite starb wenige Tage später an seinen schweren Verletzungen.

Zwei Türsteher pressten Opfer auf Boden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ereignete sich der Vorfall wie folgt: Einer der 33 Jahre alten Türsteher – ein erfahrener Boxer – soll am frühen Morgen gegen 6:15 Uhr mehrfach erfolglos versucht haben, einen Disko-Gast von der Theke wegzuziehen. Als dieser den Türsteher von sich wegstieß, fiel der Türsteher gegen den Briten, der wiederum versuchte, dem Mann zu helfen und ihn aufzufangen. Daraufhin soll der Türsteher den Briten geschlagen haben, es entwickelte sich eine Schlägerei, in dessen Verlauf der Brite nach Fausthieben zu Boden ging.

Die beiden anderen Türsteher kamen laut der Anklageschrift in diesem Moment hinzu und pressten den Briten zu Boden. Einer von ihnen schlug ihm zweimal die Faust ins Gesicht, der andere setzte sich auf ihn, würgte ihn am Hals und schlug ihm “mindestens acht Mal die Faust mit voller Wucht ins Gesicht”. Der 33-jährige Boxer schlug währenddessen weiter mit den Fäusten zu und mehrfach gegen Kopf und Hals des Opfers.

Disko-Gäste, die dem Briten zur Hilfe kommen wollten, seien von dem Boxer bedroht worden. Als das Lee John H. bewusstlos war, wurde er von dem Boxer und einem weiteren Türsteher auf die Straße getragen – “wo sie ihn ablegten, ohne sich weiter um ihn zu kümmern”. Wann der Prozess am Frankfurter Landgericht beginnen wird, steht noch nicht fest.

Facebook-Fahndung: Erfolg und Kritik

Bei ihren Ermittlungen hatte die Polizei Frankfurt zum ersten Mal im Internet-Netzwerk Facebook nach Zeugen gesucht. Dort informieren sich viele U60311-Anhänger über die kommenden Partys und verabreden sich. Die Fahndung hatte Erfolg, mehrere Zeugen wurden gefunden.

Allerdings wurde wenig später auch Kritik an der neuen Fahndungsmethode laut: Die vollen Namen und Fotos der gesuchten Zeugen waren nach hr-Recherchen zeitweise für sämtliche Facebook-Nutzer zu sehen. Der hessische Datenschutzbeauftragte regte Änderungen bei weiteren Ermittlungen dieser Art an.

Keine Ermittlungen gegen U60311-Betreiber

Nicht ermittelt wurde gegen den Betreiber des U60311, Alexander Eger. Die Staatsanwaltschaft sah nach eigenen Angaben keinen Anhaltspunkt dafür, dass er für die tödlichen Schläge seiner Türsteher mitverantwortlich ist. Kurz nach dem Vorfall hatte sich Eger von der Security-Firma getrennt und ein neues Unternehmen beauftragt.

Scharfe Kritik muss sich der U60311-Betreiber aber bis heute gefallen lassen: Eger bedauert zwar den Tod des Gastes, sieht sich aber nach wie vor auch als Opfer: “Leider wurde durch destruktives Handeln der Täter ein Unternehmen, ein Arbeitgeber und ein Treffpunkt im Frankfurter Nachtleben massiv beschädigt”, heißt es noch immer auf der Internet-Seite des Clubs.

Stadt will Skandal-Disko loswerden

Die Stadt Frankfurt als Vermieter der Disko unter dem Roßmarkt versucht derzeit alles, um das U60311 loszuwerden und dort langfristig einen anderen Club zu etablieren. Kündigungen wurden ausgesprochen, eine Räumungsklage auf den Weg gebracht.

Wie lange es dauern wird, bis sich Eger und das U60311 aus den Räumen verabschieden werden, ist dennoch unklar. Ein juristisches Tauziehen ist wahrscheinlich. Immer wieder war die Disko wegen Drogen-, Gewalt- und Hygiene-Problemen aufgefallen.

Lebensgefährtin des Opfers: “Darf nie wieder passieren”

Die Lebensgefährtin des getöteten Lee John H. fordert, dass Eger für immer die Gaststätten-Lizenz entzogen wird. “Er soll nicht nur das U60311 verlassen, sondern nie wieder einen Club betreiben”, hatte sie im Gespräch mit hr-online gesagt. “Es geht mir darum, dass so etwas nie wieder passieren darf.” Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte sie im August mit rund 20 anderen am Frankfurter Römer demonstriert. Die Stadt sieht allerdings keine rechtliche Grundlage zum Lizenzentzug.

Eger kündigte bereits an, sich aus der Geschäftsführung des Clubs zurückziehen zu wollen – möglicherweise schon im Herbst. Auch einen Verkauf des U60311 schloss er zuletzt nicht aus.

Quelle: www.hr-online.de