Northern Lite releast “I Like” am 25. November 2011

Wer Lichtjahre unterwegs gewesen ist, um neue Welten zu erforschen, neues musikalisches Leben und klingende Galaxien, entdeckt früher oder später etwas, mit dem er selbst nicht gerechnet hat: sich selbst. So in etwa mag es Northern Lite ergangen sein. 14 Jahre waren sie unterwegs, acht Alben sind seitdem entstanden, auf denen Northern Lite die erstaunlichsten musikalischen Kosmen ausgeleuchtet haben. Und nun erreichen Andreas Kubat, Sebastian Bohn und Frithjof Rödel mit dem Album „I Like“ einen neuen Gipfel ihres Schaffens, von dem aus man einen herrlichen Blick genießt auf den Punkt, wo alles begann.

Mit den Tracks „My Pain“ (2002) und „Reach The Sun“ (2004) hatten Northern Lite einst Erfurt auf die Landkarte der relevanten elektronischen Musik eingetragen. Plötzlich zeigten auch Bits & Bytes große Gefühle, plötzlich passten hymnische Melodien zwischen klar konturierte Beats. Dann kamen Radio-Hits, Musikpreise, große Festivalbühnen, noch größere Plattendeals.

Und die endgültige musikalische Freiheit: Spätestens seit dem Vorgänger „Letters & Signs“ haben sich Producer Andreas Kubat und Sebastian Bohn und der Gitarrist Frithjof Rödel von jedweden stilistischen Beschränkungen freigeschwommen. „Part I“ des Epos „Letters & Signs“, erschienen im September 2009, brach vollständig mit Konventionen und Erwartungshaltungen: Der Sägezahn sägte, die Gitarren kreischten – mag auch Indietronic der Sound der Stunde gewesen sein, so waren elektrische Beats und menschliche Songs sich noch nie so nahe gekommen. Nur ein paar Monate später – im Sommer 2010 – kam dann „Part II“ und zeigte, wo das, was man „Track“ nennt, und das, was man „Song“ nennt, ihre eigentliche Heimat haben: im Club.

Dorthin hatten Northern Lite zuvor mit ihren Remixen auch schon Rammstein, Sigue Sigue Sputnik, Peaches oder Schiller mit Thomas D. mitgenommen. Ihre Version von „Go With The Flow“ von Queens Of The Stone Age ist inzwischen legendär.

Konsequent gehen Northern Lite den eingeschlagenen Weg mit dem neuen Album „I Like“ weiter – und nähern sich dabei wieder den Ursprüngen. Schon der Opener „Black Day“ hievt das Gestern ins Heute – und das ganz ohne Nostalgie und Retro- Chic. Los geht’s mit Bassdrum-Vierteln, deren Strenge mit einer leichten Synthiepop- Melodik umspielt wird. In einem vergangenen Jahrzehnt der Schulterpolster und anderer Modeverbrechen hat man aus so etwas mal Popmusik gemacht – freilich nicht mit so rabenschwarzen Lyrics, die die Sinnlosigkeit der Welt beschreiben (und zum Entdecken einer neuen einladen).

Zwischen schwingenden Elektrospulen und klingenden Gitarrensaiten ist eine ganze Menge Platz, der gefüllt werden will. Mit einem Kleinod wie „We Are“ beispielsweise: Um ein Gitarrenriff ranken sich ein aufreizendes, elektronisch verfremdetes Staccato und die süße Melancholie eines Herbsttages. Und ist es nicht der choruslastige Gitarrensound à la Robert Smith (The Cure), der die Zeilen „I turn the tape / I press rewind“ auf „One Soul To Sell“ begleitet?

„I Like“ vermittelt zwischen Gegensätzen. Es ist kontemplativ und ekstatisch, still und laut, weltabgewandt und mittendrin. Manchmal fühlt es sich an wie der Moment, wenn man nachts um drei ganz kurz die Clubtür aufmacht und frische Luft schnappt – nein, nein, kein Chill-out. Nur ein kurzes Innehalten, bevor es wieder voll losgeht. „I Like“ eben: gefällt mir.

„I Like“ erscheint am 25. November 2011.