David Keno (Kindisch): „Manchmal lösche ich alles und fange nochmal bei Null an“

2007 zog Daniel Wittwer aka David Keno nach Berlin. Von dort aus produziert der 32-jährige Musiker seinen typisch tanzbaren Elektro / House-Sound mit hohem Wiedererkennungseffekt. Als DJ oder Liveact jettet er inzwischen um die ganze Welt. Im Interview mit trndmusik verrät der gebürtige Schweizer, warum es ihn in die Hauptstadt zog und woher seine Ideen für immer neue Tracks sowie Remixe kommen.

trndmusik: Der Startschuss für deine Musikkarriere fiel mit „Bubble Bath“ unter dem DJ-Namen Vernis. Wie bist du zu deinem jetzigen Künstlernamen David Keno gekommen? Was verbindest du mit diesem Namen?

David Keno: Ich wollte damals ein bisschen von diesem poppigen und vocal-lastigen Sound weg und etwas Clubbigeres ausprobieren. Deshalb brauchte ich ein neues Pseudonym. Mein echter Name ist Daniel Wittwer, aber der war bei der Gema schon registriert, also musste ich mir etwas Neues überlegen. „David“ wollte ich schon immer mal heißen und „Keno“ fand ich vom Klang her gut. Das hat natürlich des Öfteren zu Verwirrungen geführt und ich muss regelmäßig erklären, ob ich jetzt Daniel oder David heiße. Aber so langsam hat es sich herumgesprochen, dass David Keno nicht mein richtiger Name ist.

trndmusik: Du lebst seit rund fünf Jahren in Berlin und spielst dort auch die meisten Gigs. Denkst du, dass dir der Umzug in die Hauptstadt maßgeblich zu deinem musikalischen Erfolg geholfen hat?

Daniel: Ich denke, dass ich auch in einer anderen beliebigen Stadt erfolgreich Musik machen könnte, aber hier ist es definitiv lustiger. Die Stadt hat mich aber sicherlich auch musikalisch geprägt, auch wenn das ein unbewusster Prozess ist.

Dadurch, dass man mit bestimmten Leuten zu tun hat und in irgendwelche Clubs geht, wird man musikalisch beeinflusst. Wahrscheinlich würde mein Sound ein bisschen anders klingen, wenn ich nach Hamburg oder Köln gezogen wäre.

Ich versuche mich aber auch ganz bewusst nicht zu sehr nach irgendwelchen Trends zu richten, sondern mein eigenes Ding zu finden. Um viele, die früher mit der Minimal-Welle mitgeschwommen sind, ist es heute ziemlich still geworden und das gleiche wird passieren, wenn die Loop-House Welle vorbei ist. Da bleibe ich mir lieber selbst treu, aber bin dafür in ein paar Jahren immer noch da.

trndmusik: Du hast Tracks und Remixe unter anderem auf den Labels Kindisch, Trapez, Yellow Tail, Semester Musik, Frankie Records, Saura Label, Blu Fin und Joyfullfamily Records veröffentlicht. Wie entstehen die Ideen zu deinen Tracks und Vocals?

Daniel: Bei mir entsteht das meiste, indem ich einfach herumspiele. Man schraubt an irgendwelchen Synthesizern und irgendwann macht es klick und es passt. Die besten Lieder entstanden wirklich aus dem Jammen heraus.

Wenn es zu lange dauert bis etwas passiert, lösche ich einfach alles und fange nochmal bei Null an. Es gibt allerdings kein Patentrezept bei mir. Es muss mir Spaß machen und dann hört man das auch im Resultat.

trndmusik: Mit Jaxson arbeitest du sehr viel zusammen. Anfang Dezember 2011 erschien euer Album „Candy Shop“. Wie habt ihr euch kennengelernt und gemerkt, dass ihr gemeinsam Produzieren könnt?

Daniel: Bei einer meiner ersten Parties, die ich in Berlin besucht habe, wurde er mir von DJ Emerson vorgestellt. Er meinte, da wäre jemand der mich unbedingt kennenlernen will. Jaxson spielt schon lange meine Platten und er wollte mich auf eine seiner Parties buchen.

Nachdem ich regelmäßig bei ihm aufgelegt habe und wir nicht nur musikalisch auf einer Wellenlänge waren, lag der Schritt auch mal zusammen ins Studio zu gehen auf der Hand. Dort kamen auch regelmäßig gute Lieder zustande und bis heute treffen wir uns regelmäßig zum Musik machen.

trndmusik: 2006 hast du Keno Records gegründet. Was passiert momentan auf deinem eigenen Label?

Daniel: Mit dem letzten Release „Stars Above“ habe ich das Label nach einer einjährigen Pause wieder aus dem Winterschlaf geholt. Ich hatte eine Phase, in der ich mich mehr um die Musik kümmern wollte und nicht mehr um die administrativen Dinge, die ein Label mit sich bringt. Mittlerweile habe ich aber wieder Spaß daran gefunden und gebe wieder Vollgas.

Es wird weiterhin auf Vinyl releast werden und die nächsten Veröffentlichungen stehen schon in den Startlöchern. Als nächstes wird eine Platte von Jaxson und mir kommen.

trndmusik: Du wirst für deine Auftritte bereits in Australien, England, Spanien, Schweiz und in ganz Deutschland gefeiert. Eigentlich könnte man sagen, dass du alles erreicht hast. Gibt es da noch etwas? Wo möchtest du musikalisch noch hin?

Daniel: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon alles erreicht habe. Wenn es so weit ist, kann man glaube ich aufhören. Was sollte dann noch kommen. Musik machen heißt für mich auch immer die Suche nach etwas Neuem. Wenn man angekommen ist, gibt es ja nichts mehr zu entdecken.

Ein Ziel ist es, momentan meinen Sound weiterhin zu verbessern. Daran feile ich ziemlich fleißig und ich bin deshalb gerade dabei mehr mit Hardware zu arbeiten. Es ist zwar viel teurer und zeitaufwendiger, aber das Ergebnis rechtfertigt das auf jeden Fall.

Musikalisch möchte ich mich noch ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnen als bisher. Weiter weg vom Dancefloor und noch mehr in Richtung Songs. Natürlich macht es auch immer wieder Spaß einen Clubtrack zu bauen, von daher muss man keine Angst haben, dass ich mich davon in nächster Zeit verabschiede.

Anstehende Gigs:

07. März 2011 – Suicide Club in Berlin
16. März 2011 – Mondflug in Osnabrück
23. März 2011 – Hafenklang in Hamburg
31. März 2011 – Magdalena in Berlin

Das Interview führte Sarah Schlifter.