DJ Dag: „Heute klingt mir der Sound manchmal zu steril“

DJ Dag @ Dorian Gray@Centrastation VIII in Darmstadt!

** Wir verlosen 2*2 Tickets **

Auf ein Neues heißt es am 9. November 2012, wenn in der Centralstation in Darmstadt wieder das Lebensgefühl der ehemaligen Flughafen-Disco Dorian Gray gefeiert wird – diesmal gleich mit vier Helden der alten Zeiten, welche alle den Sound des legendären Clubs geprägt haben: DJ Dag, Tom Wax und Björn Mulik sowie als Special Guest Bijan Blum.

Mit DJ Dag, namentlich Dag Lerner, konnten wir exklusiv sprechen. Er legte gerade in den 90er Jahren Meilensteine im Bereich der Trance Music und noch heute, nach siebenundzwanzig Jahren gelebter Subkultur, der Liebe zu Harleys, den Clubs und der Vinyl, weitab aller Brachialität und jeglicher Subtile erhebt ihn eine hypnotische Atmosphäre, wenn er sich an die Plattenteller stellt.

Eine seiner bekanntesten Verbindungen war mit Jam El Mar (Jam & Spoon) und dem Projekt Dance 2 Trance, welches Trance-Klassiker wie “We came in Peace”, “Power of American Natives” oder auch “Hello San Fransisco” herausbrachten. Später kam die Zusammenarbeit mit Non-Eric vom Berliner Label Lunatec. Als Crazy Malamute releasten die beiden Tracks wie z.B. die Hymne “Braveheart”.

DJ Dag ist eng mit dem „Sound of Frankfurt“ und neben dem Dorian Gray, auch mit der ehemaligen Music Hall, dem Omen und heute dem Cocoonclub als fester Resident verbunden.

trndmusik: Dag, Du blickst auf über siebenundzwanzig Jahre Karriere zurück. Wenn Du Dir diese Jahre vor Augen hältst, welche waren die schwersten und welche mit Abstand die besten Momente in Deiner Karriere?

Dag Lerner: Ich hatte definitiv viele großartige Zeiten und genieße diese noch heute in meinen Erinnerungen oder in den Augen meiner Fans, wenn ich mich an die Plattenteller stelle. Die Energie, die dabei freigesetzt wird, hat mich eh und je erfüllt. Wenn wir aber von meinen schweren Zeiten sprechen, war dies sicherlich die Zeit, um meine Scheidung herum, da ich mich zudem auch musikalische in einer Wiederfindungsphase befand. Mein Sound und ich persönlich hatten sich durch die Zeit in den USA verändert. Dies schränkte mich in meinem Wirken als Produzent nach meiner Rückkehr sehr ein, also musste mich erstmal neu sortieren, was mir aber letztendlich gelang und mich auf einen sehr guten neuen Weg brachte.

trndmusik: Du bist bekannt dafür, dass Du immer Deinen Stil gefahren bist und fährst, Dir auch heute von Trends nichts vorgeben lässt. Meinst Du, dies hat Dir manchmal Steine in den Weg gelegt?

Dag Lerner: Wenn ich den kommerziellen Weg gegangen wäre, mit kommerziell meine ich den Weg, welcher Dir von den Plattenfirmen oder dem Management vorgeben wird, hätte ich mir nicht treu bleiben können und wäre sicherlich auch in den 90er Jahren nicht so erfolgreich gewesen. Ich bin nicht der Typ, der einfach nur in einen Club geht, um dort ein von den Club-Charts geprägtes Set zu spielen. Ich lebe Musik und das möchte ich auch übertragen und ich stehe hinter jeder Produktion, die ich auflege. Mein Wunsch ist es immer gewesen, die Technomusik musikalischer zu machen. Ich wollte mit richtigen Musikern produzieren. Musiker wie es sie gerade Mitte der 90er Jahre in der elektronischen Musik viele gab. Da waren großartige Produzenten wie Ralf Hildenbeutel, Steffen Britzke oder mein alter Studiokollege Jam El Mar am Start. Nur vor dem Rechner zu sitzen und Samples hin und her zu schieben, hätte mir nie gereicht.

trndmusik: Die Möglichkeiten für Newcomer sind heute durch Software und jeweilige PlugIns sehr viel besser und vor allem günstiger geworden. Musik zu besorgen oder zu produzieren, wird weitgehendes nur noch digital geregelt. Wie stehst Du dazu, auch im Bezug auf die Marktentwicklung und dem Verkauf von Vinyl?

Dag Lerner: Mit Software wurde schon in den 80er Jahren guter Sound gemacht, denken wir nur mal an Kraftwerk. Dennoch wurde damals mehr Wert auf die Verwendung von Hardware gelegt und dahin sollten wir auch wieder ein wenig zurückkehren, der Sound erhält dadurch mehr Wärme. Heute klingt mir der Sound manchmal zu steril. Die jungen Produzenten verwenden eher ein Gitarrensample, als eine Gitarre selbst mal in die Hand zu nehmen, auch dadurch sind in den letzten Jahren handfeste Musiker weitgehendes abgesprungen, vor allem im Bezug auf Remix Produktionen. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass es heute keine hochwertigen Musiker im elektronischen Bereich mehr tätig gibt. Heute kannst Du Dir eben alles in deinem Wohnzimmer zusammenstellen: Sound, Musik, Master. Die Marktentwicklung hat dadurch natürlich gelitten. Plattenläden werden geschlossen, Danceabteilungen in Plattenfirmen eingestampft und es gibt keine Gelder mehr zur Bemusterung von Künstlern. Doch das ist der Lauf der Dinge, alles ist immer in Bewegung und verändert sich, leider nicht immer zum Positiven.

trndmusik: Du legst nun auch das erste Mal auf der Dorian Gray @ Centralstation Tributereihe als Headliner auf. Welches Gefühl verbindest Du mit dieser Veranstaltung für Dich zu den ehemaligen Zeiten im Gray?

Dag Lerner: Ich freue ich mich schon sehr auf den Abend in der Centralstation in Darmstadt. Es macht mir große Freude, das Gefühl von damals nochmal an die Junggebliebene und der neuen Generation zurück- bzw. weiterzugeben. Die Musik von damals dort nochmal spielen zu können, gibt mir an dem Abend sicher ein Stück das Gefühl des Dorian Gray und dem Omen zurück, sodass es mir und und den Gästen sicher einige Schauer durch den Körper jagen wird. Es erwartet uns eine tolle musikalische Zeitreise.

Dorian Gray @ Centralstation: Die Zeitreise geht weiter!

Was? Dorian Gray @ Centralstation
Wann? Freitag, den 9. November 2012 ab 22:00 Uhr
Wo?Centralstation, Im Carree, Darmstadt
Wie viel? AK 15,- € / VVK 12,- €
Wer? DJ Dag, Tom Wax, Björn Mulik, Bijan Blum

Wir verlosen 2*2 Gästelistenplätze! Was müsst ihr tun? Entweder schreibt ihr einen Kommentar mit eurer Emailadresse oder ihr schickt einfach eine Email mit eurem kompletten Namen und dem Betreff ( Dorian Gray ) an win@trndmusik.de.

Das Interview führte Sabrina Anna.

 

 

Im letzten Jahr führte trndmusik.de ein informatives Interview mit Gerd Schüler über den Dorian Gray Mythos. Gerd war einer der Pioniere Frankfurts in den 70er Jahren welcher durch die Eröffnung des Dorian Gray am Flughafen Frankfurt einen Meilenstein in der Clubszene Deutschlands ebnete. Zum nachlesen gehts hier lang: Interview Gerd Schüler Oktober 2011

  • DJ Pat-Pain

    Mein Motto: Spiel lieber Vinyl