IOAKIM SAYZ (Get Physical): „Ich wünsche mir langfristig meinen Traum leben zu können“ | trndmusik

IOAKIM SAYZ (Get Physical): „Ich wünsche mir langfristig meinen Traum leben zu können“

IOAKIM SAYZ ist ein jahrelanger Musikliebhaber. Der DJ und Produzent aus der deutschen Hauptstadt konnte bisher mit Releasen auf Labels wie Get Physical Music und Moodmusic auftrumpfen. Im Interview erzählt uns der Berliner, wie er auf seinen Künstlernamen gekommen ist, wieso ihm Qualität und Authentizität mit Hinblick auf sein Künstlerdasein so wichtig sind, und was er noch erreichen will.

PS: Wir verlosen noch vier Freikarten für den Auftakt zu „Im Auftrag der Musik“ mit IOAKIM SAYZ im Frankfurter Lido!

trndmusik: Zum Einstieg: Wie bist Du auf den deinen aktuellen Künstlernamen gekommen? Gibt es dazu eine Geschichte?

IOAKIM SAYZ: Der Name „IOAKIM“ stammt aus dem Hebräischen und heißt soviel wie „der vor Gott Bewährte“. Das „SAYZ“ in meinem Namen leitet sich wiederum von dem amerikanischen Kinderspiel „Simon says“ ab, in dem ein Spieler seinen Mitspielern „sagt“ bzw. ihnen vorgibt, was sie zu tun haben. Zusammengesetzt heißt das dann so etwas wie „Der vor Gott Bewährte gibt den Ton an“. Aber hey, weder bin ich religiös, noch abgehoben. Es ist letztlich nur eine Art Parodie bzw. nicht all zu ernst zu nehmende satirische Anspielung auf den „Personenkult“, der manchen DJs heutzutage entgegengebracht wird. Natürlich hat ein DJ eine entscheidende Aufgabe, und sollte auch was ausstrahlen, doch fehlt mir oftmals der Fokus auf die Musik. Sie sollte immer als Erstes kommen, danach der Künstler samt einem ihm entgegengebrachten gesunden Respekt, den er sich durch Qualität und Beständigkeit verdienen muss.

trndmusik: Seit wann produzierst Du eigentlich elektronische Musik? Und wie bist Du dazu gekommen?

IOAKIM SAYZ: Wie viele bin auch ich über das Auflegen zum Produzieren gekommen, da ich natürlich auch eigene Ideen realisieren wollte. Als das erste Timecode Vinyl dann auf den Markt kam war die Motivation noch größer, da ich meine ersten „Gehversuche“ auch gleich im Club testen konnte. So richtig an Fahrt hat allerdings alles erst ab 2010 in Berlin gewonnen. Ich hatte hier das Glück, relativ schnell auf bereits etablierte Produzenten zu stoßen und teils in Kooperation mit ihnen meine eigenen Produktionen auszubauen und auch die ersten Releases an den Start zu bringen. Insbesondere Julian Ganzer von Get Physical, von dem auch der Remix meiner „When It Was Good“ Nummer auf selbigem Label stammt, ist mir ein großer Support.

trndmusik: Du sagst selbst, dass für Dich zwei Dinge als Künstler wichtig sind: Qualität und Authentizität. Wieso sind die beiden Aspekte so relevant für Dich?

IOAKIM SAYZ: Das Musikbusiness wird immer schnelllebiger und der Markt ist regelrecht überlaufen. Mit Künstlern ist das genau das selbe, ein ständiges Kommen und Gehen. Ich selbst sehe mich aber nicht als Eintagsfliege und wünsche mir langfristig meinen Traum leben zu können. Dafür bedarf es eben Dinge wie Qualität, Kreativität, Professionalität, Zielstrebigkeit und eben auch Authentizität. Denn was gibt es besseres, als entspannt in den Spiegel blicken zu können und Menschen mit Menschlichkeit anstelle von Blabla und mehr Schein als Sein zu begegnen?

trndmusik: Woher holst Du Dir deine Ideen für Tracks? Spielt dabei deine Heimatstadt, Berlin, eine Rolle?

IOAKIM SAYZ: Jein, Berlin regt auf jeden Fall die Kreativität im Allgemeinen an, doch was meine Tracks anbelangt, so ist es nicht unbedingt die Stadt an sich bzw. deren Vibe, sondern andere, internationale Künstler, deren Produktionen mich inspirieren. Als DJ höre ich mir hunderte von Tracks in der Woche, manchmal gar am Tag an, selektiere und höre sie wieder und wieder. Dabei entwickeln sich letztlich auch eigene Ideen und Stimmungen heraus unterstützt durch gesammelte Eindrücke im Club. Zudem sind es oft ganz andere, kontrastive musikalische Einflüsse, die ich beim Reisen mitnehme und nach Möglichkeit verarbeite.

trndmusik: Hast Du eigentlich alles auf die Karte DJ- und Produzentwerden gesetzt? Oder hättest Du noch einen Plan B?

IOAKIM SAYZ: Musik ist mein Leben, und die glücklichsten Momente sind für mich die Augenblicke, wenn ich einer aufgeschlossenen Partycrowd gegenüberstehe und mit ihr gemeinsam eine energiegeladene Zeit erlebe! Es klingt widersprüchlich, doch sollte es mit der großen Karriere nichts werden, so würde es mich im Gegenteil tatsächlich in eher abgelegenere Regionen der Welt ziehen, weg von all dem Trubel, um ein sehr einfaches Leben zu führen.

trndmusik: Du hattest bisher Veröffentlichungen auf Labels wie Get Physical Music oder Moodmusic. Was steht in naher Zukunft an? Sind neue Release geplant?

IOAKIM SAYZ: Mein Remix für Ed Ed auf Moodmusic kommt im Oktober raus, zudem folgt als nächstes meine „Cálida EP“ auf dem Berliner Label Monkeeplatez, ein Remix für Alex Flatner & Lopazz und eine EP auf dem britischen Label Something Different Again. Zahlreiche weitere Releases sind in Planung. Zudem gibt es jeden Monat einen neuen Podcastauf die Ohren.

trndmusik: Am 7. September 2013 bist Du zum ersten Mal in Frankfurt bei „Im Auftrag der Musik“ im Lido zu Gast. Freust Du Dich bereits auf den Gig? Und was war dein bisher verrücktester Gig, den Du als DJ erleben durftest?

IOAKIM SAYZ: Und ob ich mich darauf freue. Der ganze Entstehungsprozess in Zusammenarbeit mit einem extrem motivierten Team war eine super Erfahrung und wir sind allesamt auf die Kick-off Veranstaltung gespannt. Außerdem spiele ich gern in Frankfurt und habe hier schon tolle Abende erlebt. Weitere Städte werden folgen …

Was den verrücktesten Abend betrifft, so denke ich heute mit einem Lächeln an meinen allerersten DJ „Gig“ zurück. Ich war 15 und hatte meinen ganzen Freundeskreis über meine neuerlichen DJ Aktivitäten gebrieft. Beim ersten Booking durfte ich dann letztlich vor 5 Hardrockern spielen. Deren irritierte Blicke werde ich nie vergessen. Eine Woche nach der „Im Auftrag der Musik“-Party in Frankfurt steht mein erster US-Gig in Miami an bevor es im September auch noch nach Budapest geht. Es hat sich also mittlerweile ein bisschen was getan.

trndmusik: Was möchtest Du mit Hinblick auf dein DJ- und Produzenten-Dasein noch erreichen?

IOAKIM SAYZ: Ich habe große Ziele und bin ich auch bereit dafür sehr, sehr hart zu arbeiten. Ich liebe es neue Plätze zu entdecken und möchte auch in Zukunft weitere Länder der Erde bereisen um meine Musik mit anderen teilen zu können und mich von unterschiedlichsten Menschen und Kulturen inspirieren lassen. Berlin soll immer eine Art Base für mich sein, doch ginge es nach mir, würde ich jedes Wochenende in einem anderen Land performen. Zudem gibt es noch sehr viele coole Labels, auf denen ich gerne releasen würde, um mit „Dirtybird“ nur eines zu nennen. Auch bin ich offen gegenüber Kooperationen mit anderen interessanten Künstlern, aber auch die weitere Zusammenarbeit mit meinen jetzigen Partnern ist mir wichtig, da ich zum einen kein Künstler bin, der vergisst wo er herkommt, zum anderen deren massiven Support sehr zu schätzen weiß.

Das Interview führte Benjamin Reibert.