Review: Max Graefs Album „Rivers of the Red Planet“

Graef Cover

Max Graef versteht den relativ großen Rummel um seine Musik nicht. Gegenüber Resident Advisor erklärte er, dass jeder solche Musik machen könne und es amüsant sei, dass Leute mit ihm ein Foto machen wollen. Diese Aussage ist so sympathisch wie wahr. Was seine Produktionen jedoch trotzdem besonders macht, ist, dass sie in der gegenwärtigen Welt der elektronischen Musik selten zu finden sind. Ähnlich, jedoch nicht gleich, klingen Glenn Astro und IMYRMIND, die jedoch teilweise mehr in Richtung Techno produzieren. Was die melodischeren, mehr von Disco und Funk beeinflussten Produktionen angeht, wären Seven Davis Jr und Billy Palmier zu nennen, die nicht ohne Grund fester Bestandteil der DJ-Sets von Max Graef sind.

Auf seinem seit kurzem via Tartelet Records erhältlichen Album „Rivers of the Red Planet“ sind die verschiedenen musikalischen Einflüsse deutlich zu hören, besonders bei den Bassläufen. „Büchsenöffner“ ist der herausstechendste Funk-Track, der mit seinem Gitarren-Gefrickel an den „Motown-Sound“ aus dem Detroit der 60er und 70er Jahre, vor allem Jimi Hendrix, erinnert. Viele Tracks weisen zudem einen Beat auf, der eindeutig dem Hip-Hop zuzuordnen ist. Bei zwei Tracks hat Graef mit dem Sänger Wayne Snow zusammengearbeitet und dabei mit „Running“ ein wunderbares, langsames Stück souliger Housemusik geschaffen. Hin und wieder kommen dann noch Lieder, die sich bei Techno oder Electro bedienen („Vino Rosetto“).

Davon abgesehen, gibt es auch die an Detroit erinnernden House-Tracks, für die er bisher bekannt ist: rohe, dreckige Drums, die teilweise wie Samples aus alten Disco- und Funk-Tracks klingen und breitflächige Synthie-Sounds, die vermutlich analog aufgenommen wurden. Häufig bemerkt man auch interessante Details: In „Itzehoe“ hört man ein Schreibmaschinen-Sample im Hintergrund. Gegen Ende („Medley of the Drifters“) bemerkt man dann noch die Jazz-Einflüsse Graefs, wenngleich er entgegen mancher Rezensionen, kein Jazz-Musiker ist und sich auch nicht als solchen sieht.

Am Ende ist es also ein abwechslungsreiches Album. Sicher, das können auch andere. Doch dann sollen sie es auch machen. Graef müsste dann nicht mehr für Fan-Fotos posieren und für den Hörer gäbe es mehr von dieser heterogenen und doch als sinnvolle Einheit auftretenden Musik.

Das Album rezensierte Philipp Kutter.

Tracklist:

01. Intro
02. Itzehoe
03. Superswiss (Skit)
04. Running
05. Jazz 104
06. Tamboule Fudgemunk
07. Quackeljochen
08. Ohne Erdung
09. Mullholand Drive
10. Drums Of Death
11. Vino Rosetto (Album Mix)
12. Speed Metal Jesus
13. Büchsenöffner
14. Jane
15. Medley Of The Drifter
16. Outro