Hanne & Lore (Heulsuse): „Heute strecken die Leute nur noch die Arme hoch, drücken einen Knopf und wissen, welcher Song gespielt wird“

** Wir verlosen ein Heulsuse-Paket **

Hanne & Lore alias Steffen und Stefan gehören mittlerweile zu festen Größen der deutschen House- und Techno-Szene. Durch Veröffentlichungen auf Monaberry, Stylerockets, Sunset Handjob, My Best Friend und Remixe für zum Beispiel Super Flu und Andhim wurden sie auch über die Grenzen Deutschlands bekannt. Zudem haben sie mit Heulsuse letztes Jahr ihr eigenes Label gegründet. Mit trndmusik sprachen sie über die Essenz des Auflegens, Shazam und sinnlose Genre-Debatten.

Hanne_Lore

trndmusik: Gibt es ein musikalisches Konzept für euer Label?

Hanne & Lore: Es geht nur darum, tolle Musik zu veröffentlichen beziehungsweise Musik, die uns beiden gefällt. Es kommt nur raus, was uns beiden gefällt, stilistisch sind wir da gar nicht so festgelegt. Die nächste Heulsuse erscheint Ende Mai und kommt von Norman Zube mit Remixen von Thomas Schumacher und Dirty Doering & Sascha Cawa.

trndmusik: Ihr bringt auf Heulsuse auch Vinyl-Platten raus. Was ist eure Meinung zu der ganzen Diskussion um digitales Auflegen, Laptops, pre-recorded Sets und das Benutzen der Sync-Taste?

Hanne & Lore: Wir legen ja auch mit USB-Sticks auf und hören Vinyl nur noch zu Hause. Allerdings mischen wir klassisch back2back, jeder eine Scheibe und es muss auch noch richtig gemixt werden. Sync-Button ist indiskutabel, pre-recorded Sets natürlich ebenso – haben wir in all den Jahren aber auch noch bei keinem Kollegen mitbekommen, so eine Unart.

Und bezüglich Laptop-DJs: Alle 14 Tage kommt es in irgendeinem Club bei irgendeinem DJ mit zuviel Technik immer wieder vor, dass diese Technik sich nicht richtig anschliessen lässt und es zu irgendwelchen Komplikationen kommt. Es ist uns ein Rätsel! Neben MP3 und Platte kommen die Release bei Heulsuse ja auch auf Kassette, wie schon bei der letzten Veröffentlichung, das werden wir auch fortführen.

trndmusik: Geht die Diskussion um USB oder Vinyl nicht an der Essenz des Auflegens vorbei? Nämlich die Trackauswahl und das Lesen des Publikums?

Hanne & Lore: Die Trackauswahl, der Spannungsbogen während des Sets, das Auf und Ab, das Spielen mit den Leuten im Club: All das ist natürlich das Wichtigste! Und ob USB, CD oder Vinyl: Solange noch echt gemixt wird und kein Sync-Button im Einsatz ist, ist alles in Ordnung.

trndmusik: Um etwas Aufklärung gegen ein falsches Bild zu betreiben: Wie sehen eure Leben als Produzenten und DJs aus? Wie kommt ihr über die Runden?

Hanne & Lore: Wenn sich nicht gerade wieder das Finanzamt in uns verliebt hat, kommen wir schon zurecht.

trndmusik: Ihr bezeichnet euren Sound selbst teilweise als Tech-House und das würde ich auch als Bezeichnung wählen. Ist das nicht eine Richtung, die schnell an ihre Grenzen stößt, weil sie musikalisch an sich schon recht begrenzt?

Hanne & Lore: Ah, Genre-Debatten, das führt doch zu nichts! Und du sagst ja selbst, „teilweise“ ist es Tech-House und das stimmt bestimmt für einige Tracks! Aber so sehr festlegen lassen wir uns da nicht, wir machen irgendwas zwischen House und Techno, das sollte doch dann reichen als Eingrenzung.

trndmusik: Wie stehts mit eurem Album? Wann soll es rauskommen und was können wir erwarten?

Hanne & Lore: Es wurde kurz gemunkelt, dass es 2014 dazu kommen würde – sieht aber momentan arg danach aus, dass das nicht klappt. Für die Produktion eines Albums muss einfach die Möglichkeit gegeben sein, sich ein wenig zurückzuziehen und somit mehr Fokus auf die Produktion des Albums zu richten – das ist schwierig, weil wir momentan an diversen eigenen EPs und Remixen schrauben.

trndmusik: Zwar wurde darüber auch schon mal an anderer Stelle berichtet, aber: Eure Tracks haben sehr ungewöhnliche Titel. Wer ist dafür verantwortlich und welche Absicht steckt dahinter?

Hanne & Lore: Steffen: Einfach Wahnsinnsgedaddel, das sich meist so aus dem Affekt ergibt. Ich hab schon in der Grundschule immer komische Sachen erfunden, die niemand verstanden hat.

trndmusik: Ihr seid jetzt schon lange im Geschäft. Wie hat sich sie Szene verändert? Also sowohl die Musik selbst als auch die Feierkultur. In Berlin gibt es ja immer wieder die Klage, dass besonders die kleinen Klubs schließen müssen.

Hanne & Lore: Darüber könnte man natürlich ewig sprechen. Alles ist ja immer im Wandel, die Musik sowieso, auch das ganze Drumherum. Aber im Kern bleibt doch alles gleich oder zumindest ähnlich. In Berlin kann man jeden Tag feiern gehen, in anderen Städten meist ab Donnerstag. Früher gab es im Club einen oder zwei Floors. Heute gibt es einen oder zwei Floors und dazu noch einen Raucherfloor. Oder die Raucher stehen draußen vor dem Club, weil es eben keinen Raucherfloor gibt.
Dann die Technik, und dass es dank Shazam leider gar keine musikalischen Geheimnisse mehr gibt. Die scannen seit neustem sogar Vinyl-Only-Release – nicht zu glauben. Früher musste man sich noch bemühen und versuchen, über den DJ den Track rauszubekommen, der gerade lief. Heute strecken die Leute nur noch die Arme hoch, drücken einen Knopf und wissen, welcher Song gespielt wird und nach zwei Wochen ist er dann schon wieder langweilig.

trndmusik: Glaubt ihr, dass ein Ende des Hypes und Booms von elektronischer Musik absehbar ist?

Hanne & Lore: In unserem Leben auf jeden fall nicht.

Das Interview führte Philipp Kutter

Wir verlosen ein Heulsuse-Pakete, das mit einer Cap, Stickers, Vinylplatte und Beutel bestückt ist! Was müsst ihr tun? Schickt uns einfach eine Email mit eurer kompletten Anschrift und dem Betreff ( Ich bin eine Heulsuse! ) an win@trndmusik.de!

Der/die Gewinner/innen werden am 4. Juni 2014 per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.