LEAVE: „Jeder kleine Junge hatte doch seine erste Kindergartenliebe: Bei mir war es Emma“

Am 23. Juni 2014 bringt der Musikproduzent und DJ LEAVE eine neue Platte in den Handel. Der Wahlessener veröffentlicht seine Nummer „I Didn’t Miss You“ auf seinem eigenen Label, das er vor knapp eineinhalb Jahren ins Leben gerufen hat: Emma Music. Mit uns sprach der junge Grafiker über die Gründung des Imprints, wieso der Labelname im Kindergarten entstand und was demnächst ansteht. Einen exklusiven Stream zum Song könnt ihr jetzt schon bei uns hören. Also, Ohren auf und lauschet:

trndmusik: Anfang 2013 hast Du Emma Music gegründet. Was waren Deine damaligen Beweggründe ein Label ins Leben zu rufen?

LEAVE: Ich wollte eine Basis für mich und talentierte Künstler schaffen, die den selben Musikgeschmack besitzen wie ich. Eben ein Ding, was Newcomer der Szene vereint und genau das Richtige ist, um gemeinsam erwachsen zu werden. Wir befinden uns zum aktuellen Zeitpunkt echt noch in den Kinderschuhen, aber die Motivation, dem Erwachsenwerden von Tag zu Tag immer einen Schritt näher zu kommen, ist unbeschreiblich groß.

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trndmusik: Welche Philosophie verfolgst Du mit dem Label?

LEAVE: Gute Musik rausbringen, einen guten Job machen und dafür sorgen, den Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

trndmusik: Demnach steht das Finanzielle nicht im Vordergrund?

LEAVE: Nein, absolut nicht! Musik ist für mich eine Leidenschaft, die mich seit dem Kindesalter zu jeder Zeit begleitet hat. Solang mich das fertige Stück überzeugt, ist es mir offen gesagt egal, ob ich bei einem Release mal ordentlich was in den Sand setze oder Summen investiere, wenn ich großes Potenzial drin sehe. Verdienen tut man an einem Label quasi garnichts, dass muss einem aber auch von Anfang an bewusst sein. Ich denke viele Menschen glauben immer noch, dass nur weil man in den Beatport-Charts unterwegs ist, man sich eine goldene Nase verdient.

trndmusik: Wie kam der Name Emma zustande? Steht hinter dem Labelnamen eine Geschichte?

LEAVE: Die Geschichte ist eine ziemlich lustige, wo ich jetzt, 2014, immer wieder drüber schmunzeln muss. Jeder kleine Junge hatte doch mal seine erste Kindergartenliebe: Bei mir war es Emma. Natürlich ist es schon etwas skurril, dass dieser Name viele Jahre später plötzlich so eine große Bedeutung für mich haben wird. Da für mich aber von Anfang an klar war, dass dieses Projekt eine tiefgründige Verbindung zu mir besitzen soll, entschied ich mich für diesen Namen. Die Sandkastenliebe vergisst man eben nicht …

trndmusik: Und was ist aus der damaligen Sandkastenliebe geworden?

LEAVE: Die ist mittlerweile ein böses Mädchen – deshalb ja auch der Claim „Emma Is a Bad Girl“ (lacht).

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trndmusik: Du bringst neben den digitalen Releasen auch noch Veröffentlichungen auf Vinyl raus. Da es kein Geheimnis ist, dass man mit Schallplatten fast keinen Gewinn mehr macht: Was sind die Gründe dafür?

LEAVE: Bei Vinyl geht es nicht darum, wie viel Geld man verdient, da geht es um viel mehr. Ich weiß noch ganz genau, als ich unser erstes Release als Platte in den Händen hielt. Es hat mich schon mit stolz erfüllt, als neues junges Label die Möglichkeit zu besitzen, seine Musik auch auf Vinyl vertreiben zu können. Vinyl unterstreicht für mich einfach eine gewisse Wertigkeit und Liebe zum Detail – ohne Digital only Labels jetzt in irgendeinem Sinne nahetreten zu wollen. Als Label tritt man meiner Meinung nach mit dieser Philosophie noch einmal ganz anders auf, als wenn man nur über digitale Stores seine Musik vertreibt. Abgesehen von dieser gewissen Wertigkeit freue ich mich aber aktuell immer wieder, dass es noch so viele Vinyl-Liebhaber gibt, die Emma-Music-Vinyls kaufen. So hat es zum Beispiel unsere letzte Veröffentlichung auf Position 1 in den Deejay.de-Deep-House.Charts geschafft. In den All-Over-Charts belegten wir zwischenzeitlich sogar den siebten Rang. Back to the roots – Vinyl is for lovers.

trndmusik: Bisher erschienen neun Katalognummern, die größtenteils von Produzenten stammen, die bisher noch unbekannt sind. Wie suchst Du Dir die Künstler aus, die auf Emma Music veröffentlichen?

LEAVE: Es sind alles Homies, die meist noch am Anfang ihrer Produzenten Laufbahn stehen, riesen Potenzial besitzen und mit mir gemeinsam Emma als Label etablieren möchten. Ich finde es einfach wichtig, dass man sich untereinander kennt und gemeinsam Pferde stehlen kann. Hier geht es ja nicht nur um Musik. Emma ist mehr als ein Label!

trndmusik: Zur ersten EP hat Stefan Eichinger alias Lopazz, der schon Release auf Cocoon Recordings oder Get Physical Music hatte, einen Remix kreiert. Wie kam es dazu und welches Gefühl hattest Du damals, wenn man weiss: „Wow, Lopazz remixed unser 001“?

LEAVE: Der Kontakt zu Stefan entstand ziemlich spontan. Ein Freund hatte mir damals seinen Kontakt für Masteringangelegenheiten gegeben. Nach ein paar Tagen hin und her mailen, ergab sich ziemlich zufällig diese Möglichkeit, dass er einen Remix zu diesem Release beisteuert. Ehrlich gesagt, war ich schon ein bisschen stolz, als ich am Ende dann den Remix in meiner Inbox hatte. Ich dachte nur: „Geil, Lopazz, Emma Music! Jetzt kann’s losgehen.“ Promotechnisch bekam Emma durch diesen Remix natürlich eine Menge Aufmerksamkeit. So gab es zum Beispiel DJ Support von Acts wie Droog, Flashmob, Wankelmut, NiCe7, Ruede Hagelstein, Kasper Bjorke, Joyce Muniz und vielen mehr.

trndmusik: Die bisherigen Cover der Veröffentlichungen stechen einem sofort ins Auge. Wer ist für sie verantwortlich und wie wichtig sind Dir die Cover?

LEAVE: Was grafische Gestaltungen betrifft, bin ich ziemlich kleinlich. Als ich Emma ins Leben gerufen habe, war für mich von Anfang an klar, dass ich keine halben Sachen machen möchte – es muss einfach KNALLEN! In der Vergangenheit haben sich durch diese Zielsetzung glücklicherweise viele Kontakte zu ausgezeichneten Grafikern und Illustratorinnen ergeben. Es ist einfach schön gleich mehrere kreative Köpfe an der Hand zu haben. Somit können wir bei jedem Release das Thema 100 % treffen. Ich muss aber dazu sagen, vieles der Grafischen Gestaltung übernehme ich selbst, da ich neben dem Label auch noch in einer sehr erfolgreichen Grafikagentur arbeite.

trndmusik: Was ist bisher noch für 2014 geplant?

LEAVE: Puh, so einiges. Ich sitze beispielsweise momentan an der Konzeption eines Emma-Music-Showcases, welches ab Herbst 2014 auf Tour gehen soll. Verbucht werden diese Showcases über die Berliner Agentur MY FAVOURITE FREAKS, die unter anderem auch mich und die Jungs von Get Closer vor wenigen Monaten in ihr Artist-Rooster aufgenommen haben. Für uns ist das Ganze momentan wirklich etwas ganz Besonderes und eine riesen Wertschätzung, wenn man sich mal die anderen Artists in der Agentur anschaut.

Abgesehen von Bookings und Showcases möchte ich Emma als Label weiter etablieren und voranbringen. Zu mehreren Releases wird es in diesem Jahr außerdem auch noch den ein oder anderen dicken Remix geben. Hier freue ich mich momentan zum Beispiel sehr über Zusagen von Smash TV oder Dayne S, der sich schon seit mehreren Wochen mit seiner Single „How I Do“ konstant auf Platz 1 der Beatport-Nudisco-Charts hält.

Aber auch mein DJ-Projekt LEAVE steht bei mir momentan sehr weit oben auf der To-Do-Liste. Ich habe mich in den letzten Wochen vermehrt um neue Produktionen gekümmert, die noch in diesem Jahr auf Emma erscheinen werden.

Das Interview führte Benjamin Reibert.