Electronica and deep lyrics: L.A.S. im Interview

Ein Album mit elektronischer Musik, auf dem die Texte das Wichtigste sind – dieses ungewöhnliche Projekt stammt von Jacek Lachowicz alias L.A.S.. Vergangene Woche trat der vielseitige Pole beim Festival-Geheimtipp OFF in Katowice auf. Dort hatten wir die Gelegenheit seiner Musik live zu lauschen und ein paar Fragen zu stellen.

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trndmusik: Was ist die Idee hinter Deinem neuen Projekt?

L.A.S.: Ich wollte einfache elektronische Musik für leichtes Zuhören schaffen. Dafür habe ich zuerst alles mit der Gitarre aufgenommen und dann nachbearbeitet, um den treibenden Rhythmus für die Songs zu finden. Dieser Rhythmus, dieser Drive war essentiell. Das Wichtigste sind jedoch die Lyrics – ich habe mich bemüht, eine Balance zwischen ihnen und der Musik zu finden.

trndmusik: Der Festivalguide schreibt, dass Deine Musik sowohl „zum Tanzen, als auch zum Nachdenken“ anregt. Das Nachdenkliche findet sich in deinem Gesang wieder. Wie würdest Du die Texte Deiner Songs beschreiben?

L.A.S.: Einer meiner Songs, der auf Deutsch „Aufzug“ heißt, handelt beispielsweise davon, wie jeder sich seine eigene Welt zu erschaffen versucht und wie sie manchmal in sich zusammenfällt. Ich male mit ein, zwei Sätzen Bilder, dann kommt der nächste Vers und es entsteht ein völlig neues Bild, das vom vorherigen gleichzeitig getrennt ist und mit ihm in Zusammenhang steht. Diese Technik zieht sich durch das ganze Album. Übrigens veröffentliche ich in den nächsten Tagen eine englische Version.

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trndmusik: Du hast in der polnischen Rockband Scianka gespielt und komponierst moderne Klassische Musik – hat das Einfluss auf dieses Projekt?

L.A.S.: Etwas, ja. Das Komponieren von moderner Klassik macht es für mich einfacher, die Songs zu konzipieren. Der Rockerfahrung dagegen habe ich meinen Fokus auf einen starken Rhythmus zu verdanken. Ein bisschen spiegelt sich das auch in den Basslines wieder.

Der Auftritt: Hinter seinem Pult wirkt L.A.S. größer als er eigentlich ist, er strahlt Ruhe aus. Jace Lachowicz ist nicht hektisch, obwohl er die meiste Zeit singt und gleichzeitig den Synthesizer zur Improvisation nutzt. In der warmen Sommersonne vor ihm tanzen ein paar hundert Festivalgäste – nicht wild, aber auch nicht gelangweilt. Der melancholische, manchmal etwas schmalzige Gesang von L.A.S. kontrastiert stark mit den freundlichen, leichtgängigen Beats. Schwere Themen, leichte Musik – die polnischen Zuschauer auf dem Rasen vor der Waldbühne genießen es. Und wenn es nach L.A.S. geht, tanzen sie nicht nur, sondern denken auch nach.

Das Interview führte Frederik Gremler.