Andreas Henneberg über Nachwuchsveranstalter und Diejenigen, die es einmal werden wollen

Mit einem nicht zu ernstgemeinten Beitrag über „Nachwuchsveranstalter und Diejenigen, die es noch werden wollen“ gibt Andreas Henneberg einen humorvollen Einblick in die Vorgänge eines Gigs – und betont, dass die Handlungen selbstverständlich frei erfunden sind.

Hänneberg

Das Booking:

Nein, ein „Hey Alter, was kostet Du so pro Stunde“ via Facebook Messenger ist keine Booking-Anfrage. Ja, wirklich nicht! Wenn Du all die unübersehbaren Hinweise in Fettschrift, welche direkt auf den Booking-Kontakt verweisen, übersehen hast, zeugt das lediglich von Ignoranz und wirkt äußerst unseriös.

Die Location:

Ja, es ist schwer als neuer, unbekannter Veranstalter an die coolen Clubs der Stadt ran zu kommen. Nein, ich kann leider wirklich nicht in der Discothek „Flirt“ für Dich spielen, weil die Leute dort ganz sicher nichts mit meiner Musik anfangen können. Nein, dort kommen auch keine Leute extra wegen mir hin, es ist halt eine Discothek!

Der Name des Events:

Nein, Tekknoattack, Klangextasentherapie oder Bassocalypse sind keine Veranstaltungen, auf denen ich super gerne mal spielen möchte.

Ja, der Name, das Design, die Texte und die Wertigkeit der Werbung sagen ungemein viel über Dich und die Qualität deiner Veranstaltung aus.

Die Gage:

Ja, die Booking-Agentur verhandelt mit Dir über den Preis.

Nein, ich kann Dir da keinen Kumpeldeal anbieten.

Ja, ohne Booking-Agentur kann, darf und will ich nichts mit Dir fest machen.

Nein, das hat nichts mit meiner arroganten Art zu tun, sondern mit Fairness meiner Agentur gegenüber.

Die Reise:

Ja, es ist viel günstiger von Berlin nach Istanbul mit Regionalbahnen zu pendeln.

Nein, ich kann da leider keine Rücksicht auf Euer Budget nehmen.

Ja, die Booking-Agentur wird die Reise buchen und nicht Du selber.

Nein, ich möchte nicht früh um 6:00 Uhr schon ankommen und am nächsten Tag den 22:00 Uhr Flug nehmen, da ich um 12:00 Uhr schon aus dem Hotel raus muss, weil der Late-Checkout zu teuer war.

Das Hotel:

Ja, es muss mindestens ein vier Sterne Hotel sein! Nein, es geht kein Ibis Hotel!

Wenn man pro Woche (sieben Tage) bis zu vier Nächte nicht im eigenen Bett schlafen kann, ohne sein eigenes Kissen, Kuscheltiere, Gummispielzeug, oder auch jemanden, der einem das Frühstück ans Bett bringt, dann möchte man doch bitte wenigstens in einer halbwegs gemütlichen Umgebung aufwachen. Der Wunsch nach Late-Checkout, einem großen und gemütlichen Bett, einem vernünftigen Bad und im Idealfall einer Kaffeemaschine auf dem Zimmer haben nichts mit Star-Allüren zu tun.

Am Club ankommen:

Ja, es ist irgendwie ungünstig, wenn die Türsteher einen nicht rein lassen, weil man einen großen Alukoffer dabei hat, wenn man Eintritt zahlen soll oder sich bitte hinten in der Schlange anstellen möge, während Du telefonisch nicht erreichbar bist!

Der Technical Rider:

Ja, Ihr erwartet von Euren Künstlern, für die Ihr Geld bezahlt, dass sie Ihren Job gut machen. Also gottverdammt nochmal versucht wenigstens Euren Job ebenfalls zu machen und lest den Technical Rider! Die Leidtragenden sind das Publikum und der Künstler, wenn die Show nur auf halber Kraft, oder im Worst-Case gar nicht gespielt werden kann.

(Der Technical Rider ist eine Auflistung an Technik, welche zur Verfügung gestellt werden muss, um den Auftritt des Künstlers zu ermöglichen.)

Das Line Up und der Warm-Up-DJ:

Ja, ich weiß. Euer Kumpel kann super mit Traktor umgehen und kommt sicher bald ganz groß raus. Dennoch sind 138bpm Hardtechno nicht auf jeder Veranstaltung das ideale Warm-Up.

Note to yourself: Wenn man die Leute schon am Anfang verheizt, ist den Rest des Abends nichts mehr zu holen!

Getränke:

Ja, es ist völlig in Ordnung, wenn Ihr keine Getränkemarken mehr übrig habt – wegen Euren ganzen Kumpelz. Aber sorgt doch bitte wenigstens dafür, dass ein paar Drinks auf der Bühne stehen, wenn man drei Stunden bei Saunatemperaturen auf den Beinen bleiben soll.

Nein, ich möchte stattdessen kein Koks, Speed, Peppen, Pillen, Gras, Keta oder Pfeffi!

Der Light-Jockey und der Techniker:

Nein, keiner der etwa 30 Volltrunkenen hier auf der Bühne scheint zu wissen, wo die sind. Ja, die werden sicher bei „den Anderen“ im Backstage sein.

Der Backstage:

Nein, der Backstage ist keine mit Rauch durchzogene Drogenhöhle hinter der Bühne, in der Eure Kumpelz und Kumpelz-Kumpel damit beschäftigt sind, den Kühlschrank schnellstmöglich leer zu machen.

Ja, klingt total verrückt, aber es könnte auch ein Raum sein, in dem man nach dem Gig seine verschwitzten Klamotten wechseln, was Kühles trinken und kurz ausruhen möchte.

Die Gagen-Auszahlung:

Ja, die Party war irgendwie nicht so gut besucht, vielleicht lag es an der fehlenden Werbung?! Nein, ich bin kein arrogantes Arschloch, weil ich Dir jetzt nicht mit der Gage entgegen kommen möchte.

Note to yourself: Ich mache meinen Job, Du machst Deinen Job.

Wenn der eine seinen Job nicht richtig macht, sollte der andere dafür nicht bezahlen müssen!

Das Taxi-Geld:

Nein, ich möchte nicht, dass Du mich zum Hotel fährst mit 1,8 Promille und tellergroßen Pupillen. Ja, ich kann mir ein Taxi nehmen. Ja, das kostet Geld. Ja, wär super, wenn Du deswegen jetzt EXTRA nochmal zur Kasse gehen würdest, um das zu holen. Ja, ich brauche dann auch das Taxi-Geld, um morgen vom Hotel zum Bahnhof/Flughafen zu kommen. Nein, 10,- € werden dafür nicht ausreichen.

Die Verabschiedung:

Ja, „hau rein Alter, bis zum nächsten Mal“ zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und feel free to share!

gez. A. Henneberg

Zusatz:

Leider muss ich extra dazu schreiben, das sich in diesem Artikel niemand persönlich angesprochen fühlen muss und die Handlungen frei erfunden sowie überspitzt dargestellt wurden.