Siggatunez & Bernstein: „Bei uns sagt man: Das hat gepasst wie Arsch auf Eimer“

funkplace

Passend zu Heiligabend veröffentlichen Siggatunez und Oliver Bernstein eine gemeinsame EP. „Funkplace“, so der Titel der Kollektion, wird vier Werke beinhalten und in einer limitieren Vinylfassung erscheinen. Wir sprachen mit den beiden Musikproduzenten, wie sie sich überhaupt kennengelernt haben und wo die EP produziert wurde.

trndmusik: Am 24. Dezember 2014 erscheint Eure gemeinsame EP: Wie kam es überhaupt dazu, dass Ihr eine gemeinsame Produktion herausbringt?

Oliver Bernstein: Seitdem Markus (ein Freund von Bernstein, A. d. R.) und ich mit der Schaukel angefangen haben, war das erklärte Ziel die Schallplatte. Wir sind beide Plattennerds durch und durch. Die CD war nie so wirklich unser Medium, aus Geldgründen blieb uns aber erstmal nichts anders übrig, da wir nicht eines dieser gefühlt 10 Millionen Netlabes sein wollten. Wir wollten schon, dass man etwas in der Hand halten kann. Mitte diesen Jahres sind die Pläne zur Platte dann konkreter geworden.

Die Schaukel-Release sind ja ein wenig experimenteller – für das Vinyl-Sublabel sollte es aber schöner und bodenständiger House sein. Siggis Sachen auf SoundCloud und die Tieffrequent-Release fanden und finden wir hier in Dessau alle oberfett. Das habe ich ihm irgendwann einfach mal geschrieben.

Siggatunez: Oli schrieb mich eines Tages an, ob er mir paar Sachen seines Labels schicken kann. Ich selbst kannte Schaukel Records schon vorher und war sehr angetan von den sehr deepen Tracks. Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, dass mir der Postbote dann die heiße Ware nach Hause lieferte.

Ein paar Wochen später fragte Oli, ob wir uns nicht mal in Berlin treffen wollen – die Dessauer Clique ist ja recht groß in Berlin, sodass Oli ab und an mal hier ist. So haben wir uns im Stereo 33 am Boxhagener Platz in F ́riedrichshain getroffen und lange gesprochen und getrunken. Ein wesentlicher Aspekt dieses Abends war die gemeinsame Produktion einer Platte. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns sowohl zwischenmenschlich, als auch musikalisch sehr gut verstehen – also war der Plan perfekt.

Oliver Bernstein: Bei uns hier sagt man: „Das hat gepasst wie Arsch auf Eimer.“ Am Anfang haben wir aber noch nicht so recht gewusst, wie wir das mit der Kollaboration anstellen sollen. Zuerst haben wir über gegenseitiges Remixen nachgedacht, uns dann aber doch dazu entschieden, zusammen im Studio zu arbeiten. Im Nachhinein betrachtet war das auch eine wirklich gute Entscheidung.

Wie und wo entstanden die Kollaborationen zwischen Euch? Und wann die beiden einzelnen Tracks?

Siggatunez: Es gibt zwei gemeinsame Tracks, wobei „Funkplace One““ bei mir im Studio und „Alibumba“ bei Oli in Dessau entstanden ist. An der Stelle zu „Funkplace One“: Wir sind beide große Verfechter der HipHop-Musik und lieben Beats und Skizzen. Zudem arbeite ich selbst hauptsächlich mit der MPC, sodass die Produktion eines Beats im klassischen Sinne nahe lag, zumal wir eine gewisse Abwechslung auf der Platte wichtig fanden.

Oli ist dann einen Tag in Berlin gewesen, wir haben uns im Studio verschanzt und losgelegt. Anfangs hat es etwas gedauert, weil wir beide nicht genau wussten, wie wir anfangen sollen. Erst ein paar Drums – oder doch Platten nach Samples durchschauen? Letztendlich hat sich das dann ergeben. Plattenspieler an, direkt in die MPC aufgenommen und auch intern geschnitten und erstmal einen Loop gezimmert. Die Bassline stammt von einem DSI Tetra. Zwischendurch haben wir natürlich auch gegessen und zwar Fisch mit Zitronenrisotto – war sehr lecker, an der Stelle nochmal Danke an Vanessa. „Funkplace One“ habe ich dann letztendlich im Nachhinein fertig arrangiert.

Hauptelement von „Trumpet From Nowhere“ ist ein gefiltertes und gechoptes Klaviersample und eine immer wiederkehrende Trompete. Im Mittelteil kommt dann noch eine Rhodes-Line dazu. Dieser Track ist sehr sample-basiert, was unter anderem auch daran liegt, dass ich einfach gerne sample und Platten durchhöre und eben hauptsächlich mit der MPC arbeite.

Oliver Bernstein: Ich bin vor zwei Wochen mit Markus zusammen in eine WG gezogen. Jetzt haben wir auch endlich ein kleines Studio. „Godzillafunk“ und „Alibumba“ sind aber noch im Homestudio, in mitten meiner Küchen/Wohnzimmer-Kombination entstanden.

Für „Alibumba“ hat Siggi seinen Tetra eingesackt und sich in den Zug nach Dessau gesetzt. Ich kam an dem Tag vom Muckemachen aus Leipzig, also wurde erstmal ausgiebig gefrühstückt. Als wir dann loslegten, habe ich an der Maschine den Beat gebaut und Siggi hat am Tetra und an ein paar Plugins rumgespielt. Irgendwann gegen Abend mussten wir aber abrupt abbrechen, weil meine Nachbarn in der alten Wohnung nicht so cool waren, wie man das als Musiker gerne hätte. Ich habe im Nachhinein meinen Part aufgenommen und zusammen mit der Midi-Spur des Tetra zu Siggi nach Berlin geschickt.

„Godzillafunk“ ist auch hauptsächlich auf der Maschine entstanden. Ich spiele schon lange Klavier und mag das irgendwie, nur mit den paar Pads Musik zu machen. Da kommt man gut von den klassischen Sachen weg, die einem schnell im Weg stehen. Ich sample viel von Platte. Der tiefe Chord ist von einem relativ neuen Album eines meiner Lieblingspianisten, aber wer da noch die Platte erkennt, dem geb‘ ich einen aus.

Die EP wird in limitierter Vinylfassung rauskommen – 300 Stück. Was ist der Grundgedanke bei der Veröffentlichung?

Oliver Bernstein: Wie gesagt: Markus und ich wollten zwar von Anfang an Vinyl, aber schon mit unseren CDs haben wir uns immer richtig Mühe gegeben. Da war jede Menge Bastelarbeit im Spiel.

Die Cover der ersten CD haben wir nächtelang von Hand genäht und auch die Puzzlecover der zweiten sind alle 100% handmade in Dessau. Für die letzte EP von Wenzel Mehnert haben wir uns gegen die CD-Veröffentlichung entschieden, da das, wie schon gesagt, nicht so wirklich unser Ding war. Wir planen aber in 2015 eine Platte mit Vinyl only Edits einiger Songs der aktuellen und der kommenden Digital-Veröffentlichung. Das wird auch eine nette Nummer.

Schon als das Thema Vinyl das erste Mal im Raum stand, war es gleich mit der Frage verbunden, wie wir unserem Ruf mit dem Handmade-Kram weiter gerecht werden wollen. Die CDs waren ja immer auf 100 Stück limitiert, da konnte man ein wenig mehr Aufwand betreiben. Für die Platte musste es aber etwas sein, dass sich auch in größerer Stückzahl realistisch selber machen lässt.

Wir haben uns jetzt dafür entschieden, 300 Cover vorne und hinten selber zu drucken. Das Coverartwork ist eine Bleistiftzeichnung von unserem Kumpel Duktus aus Leipzig. Godzilla zerschießt das Bauhaus. Ich mein‘, was gibt es da noch groß zu sagen. Ganz so endzeitmäßig muss es ja nicht gleich werden, aber wir glauben, es ist schon mal wieder an der Zeit, dass in Dessau mehr geht, als das bisschen Weltkulturerbe hier und da.

Tracklist:

01. Siggatunez & Bernstein – Funkplace One
02. Siggatunez – Trumpet From Nowhere
03. Oliver Bernstein – Godzillafunk
04. Siggatunez & Bernstein – Alibumba