Frankfurt Calling: Nach der Musikmesse ist vor der Musikmesse

Die Frankfurter Musikmesse dürfte jetzt jedem nur noch als ausklingender Zwei-Wochen-Kater in blasser Erinnerung sein. Ausschließlich das Nachbeben der gigantischen PA-Konstruktionen und die wohlig warme Duftmischung aus verschwitzen Musikinteressierten, viel zu kräftigen To-Go-Kaffeegebräuen und frisch ausgerolltem Messeteppich in Meterware wird den ein oder anderen wohl sein ganzes Leben verfolgen. Aber mal Hand aufs Herz: Die Frankfurter Musikmesse ist einfach das ultimative Mekka jeglichen Produktions- und DJ-Gears. Vor allem das jährliche Überbieten an Lautstärke und freundlichem Hostessaufgebot ist die Reise in die Stadt am Main Wert. Die Bigplayer wie Pioneer sind hier ebenso massiv vertreten wie viele kleine und noch unbekannte Bastelbuden und aufkommende Technikstars, die vom Synthy bis zur revolutionären Software die Welt ein paar Tage aus den Angeln heben. Von den Geigenbauern, Drehorgelproduzenten und Flötenfabrikanten in den anderen Hallen hier mal bewusst abgesehen.

musikmesse yamaha

Zwar wurde auch in diesem Jahr das Rad bzw. die Tools nicht neu erfunden, aber dennoch klappte einem der Kiefer wie bei den Synthy-Schlachtschiffen von Moog bis zum Anschlag nach unten. Doch nicht nur der neue heiße Shit von Akai, Numark und Co kann vor Ort malträtiert werden, sondern auch gute alte Oldschool-Evergreens wie die 303 stehen Liebhabern zum Liebkosen und testen offen. Kein Wunder also, dass man dem einen oder anderen Technik-Nerd und Bed-Room-DJ ebenso über die Füße stolpert wie hochkarätigen DJs und Produzenten. Kris Menace traf man am Stand von Zynaptiq, Broombeck schaute sich Synthies und Softwareneuerungen an, Fabian Reichelt & Raycoux Jr. waren bei Allen & Heath und stellen erste Parts ihres kommendne Albums vor und Hanne & Lore düsten ebenfalls durch die Gänge. „Ich fahre hauptsächlich wegen der Eurorack-Modularsynthesizer zur Messe. Seit einigen Jahren gibt es dort die Alex4 Booth mit Kleinherstellern aus dem Modular- und Analogbereich, wo immer abgefahrene Sachen zu sehen und hören sind. Total crazy war auch der Stand von Bastl Instruments mit ihren neuen Holzpanel Modulen zum Drum-Synth Rumburak Instrument und Erika Synths mit ihrem Graphic vco“, erklärt uns Stefan von Hanne & Lore. Die zweite Hälfte des Tagteams war natürlich ebenfalls vor Ort. „Habe mich in diesem Jahr besonders in der Abteilung Passive eq & Röhrenkompressoren gewidmet, da ich ja in meinem Studio auch Audio Mastering anbiete und hier mal wieder ein bisschen neues Gear erhaschen wollte – drei neue Favoriten wurden gefunden und geordert“, so Steffen.

moog

Doch auch Vintagesound-Liebhaber kamen auf Ihre Kosten. Edle Synthyhersteller wie arp präsentierten ihre neuen Babys und Dauerbrenner nebst Obstbrand zwecks Kaufanreizes und pumpenden Beats. Der aus dem Süden Deutschlands angereiste Italo Brutalo schaute ebenfalls nach leckeren Tasteninstrumenten, zwecks Studioupgrade. „Für mich sind Synthesizer die greifbare Form der unerschöpflichen Energiequelle, aus der sich alles Leben speist. Teilchen und Schwingungen werden hörbar gemacht und für uns Menschen halbwegs verständlich dargestellt“, so Italo Brutalo.

italo brutala @ arp

Besonders beeindruckend auch nach Jahren des Bestehens der Reactable, der unter anderem von Oliver Hunteman im Gebrauch war, und Haptik und Sound zu einem neuen und nach wie vor wegweisenden Tool avanciert. Diverse Shows und Vorträge von Steinberg bis Avid versüßten einem dann noch die Wartezeiten, wenn es in den Gängen mal wieder zum Stocken kam, weil irgendjemand seine überteuerte Brezel hat fallen lassen. Zum langsamen ausklingen empfiehlt es sich zum Abschluss einfach die Halle zu wechseln und einfach noch einer Stunde Marimbaphone-Klängen und Jazzsessions zu lauschen, um sich wieder zu erden. Schade, jetzt dauert es wieder ein Jahr. Aber hey: Nach der Musikmesse ist vor der Musikmesse.