Midas 104 und seine „Humming Top“ EP

hummingtop

Nach Releasen auf Katermukke, Crossfrontier Audio und Parquet bringt Midas 104 seine neueste EP auf dem Label URSL raus. „Humming Top“, so der Titel, umfasst drei Original-Tracks und zwei Remixe. Wir sprachen mit Willi Schumacher, so sein bürgerlicher Name, über die Veröffentlichung, die Entstehung der Tracks und wieso die Kollektion bei URSL am 30. April 2015 erschien.

trndmsk: Willi, wie bist Du auf die Idee zur „Humming Top“ EP gekommen? Gab es ein bestimmtes Konzept, das Du verfolgt hast?

Midas 104: Es gab zunächst kein Konzept oder eine spezielle Idee. Ich habe die Tracks völlig unabhängig voneinander produziert und ich hatte eigentlich gar nicht vor, sie zu veröffentlichen. Ich wusste zunächst nicht so recht, wohin damit. Ich glaubte, sie seien zu ruhig für den Club, und dass sich deshalb wohl kaum ein vernünftiges Label für diese Richtung finden würde. Die drei Original-Tracks sind schon etwa zwei Jahre alt und schmorten auf meiner Festplatte vor sich hin, bis sie durch einen witzigen Zufall von Madmotormiquel entdeckt wurden und sich unverhofft in Demo-Tracks für das liebreizende URSL-Label verwandelten.

Die inspiration habe ich mir, wie bei jedem Track, den ich mache, aus meinem privaten Alltag geholt. Es gibt ja immer was, das einen irgendwie beschäftigt.

Wo sind die Werke entstanden – und vor allem wie?

Entstanden sind die Stücke in meinem kleinen Studio. Tatsächlich hat mich bei allen drei Tracks eine ganz besondere Stimmung angetrieben und es ist wirklich abgefahren, wie gut sie sich nun zusammen auf einer Scheibe machen. Jeder track hat eine eigene Geschichte, mit der ich etwas vearbeitet habe.

„Humming Top“, zu deutsch Brummkreisel, ist eine ziemlich reduzierte und einfache Produktion, da ich mich ganz besonders darauf konzentriert hatte, warum ich welches element verwende und wie ich es ohne viel Klimbim einsetze. Für diese Nummer habe ich ausschließlich Outboard-Klangerzeuger verwendet. So hatte ich z. B. einen geliehenen Oberrhein Matrix 1000 zur Hand, der mich sehr inspiriert hat und von dem die meisten Sounds stammen. Ausserdem ist der gute, alte Korg MS10 zum Einsatz gekommen. Die Bassdrum habe ich an einem Doepfer A100 zusammengeschustert. Wer genau hinhört, wird das Brummen und Klappern eines Brummkreisels wahrnehmen, den ich mir für eine Aufnahme von meiner Tochter ausgeborgt hatte. Der Brummkreisel diente mir als eine Art philosophischer Leitfaden, denn ich assoziiere mit ihm das Leben. Er wird aufgezogen, tanzt ein Weilchen vor sich hin und trudelt letztendlich müde klappernd bis zum Stillstand aus. Das musste ich unbedingt einbauen (lacht).

Der Track „Traute“ ist meiner Großmutter Waltraud gewidmet, welche mich großgezogen hat und die für mich einer der bewundernswertesten Menschen überhaupt ist. Sie ist mittlerweile sehr alt und ich möchte ihr mit dieser Widmung etwas zurückgeben. Ich habe eine Sansula recorded und als Samplerintrument verwendet. Der Leadsound stammt von einem Mellotron. Zudem habe ich viele Sampleschnipsel eingebaut. Die Drums sind fast komplett selbst recordete Sounds, denn ich wollte es etwas organischer klingen lassen. Ich habe den Track einen Tag vor meinem Gig auf der letzten Fusion fertiggestellt und habe ihn dort zum ersten Mal gespielt.

„Umbra“ (lat. Schatten) ist der älteste der drei Tracks und ich habe viel mit einem Vermona DRM 1 MKIII rumgefrickelt. Die Claps gefallen mir sehr gut. Ich habe versucht, was Raviges zu machen, das trotzdem chillig und verspult ist und war auch ein bisschen melancholisch drauf zu der Zeit.

Wieso erscheint die Zusammenstellung bei URSL?

Ich saß gerade beim Katermukke-Mastermind Sascha Cawa im Studio und ihm beim Mastern meiner damaligen „Eos“ EP über die Schultern geschaut. Madmotormiquel von URSL hatte den nächsten Studiotermin und so kam es, dass wir ein Weilchen zu Dritt im Studio abhingen. Ich habe dann ein paar Tracks auf Saschas Neumann Boxen gegengehört, einfach, um mal den Sound zu checken und Madmotormiquel war sofort angetan von genau den drei Tracks, die nun auf der Platte sind. Ich schusterte einen Demo-Ordner zusammen und so kam die Sache ins Rollen. Bis zur Veröffentlichung dauerte es ein ganzes Jahr. Ich bin sehr froh über die Verbindung zu URSL, da sie wirklich mit Herz dabei sind und keine halben Sachen machen. Auch menschlich eine ganz tolle Truppe! Ich könnte mir für meine erste Solo-Platte kein besseres Label vorstellen und bin höchstgradig zufrieden mit dem Endergebnis. Das Artwork von Philip Cassirer finde ich einfach nur fett! In diesem Sinne: danke für alles, liebe URSLs!

Wie wurden die beiden Remixer ausgesucht?

Dass Madmotormiquel und Sascha Cawa einen Remix machen, war in Anbetracht der Vorgeschichte naheliegend und ich bin ein Fan von beiden. Den Kontakt zu Sandeman stellte URSL her und ich fand die Idee super, da ich seine Sachen sehr mag.

Was steht nach der Veröffentlichung bei Dir an? Arbeitest Du bereits an weiteren Projekten?

Voraussichtlich im Juni wird nach langer Pause mal wieder eine Collabo mit meinem alten Freund Joshua Jesse veröffentlicht. Es handelt sich um einen Track, der als Aufhänger seiner neuen „Hommage“ EP auf dem aufstrebenden Label Metanoia herausgebracht wird, welches vom Berliner DJ und Produzenten coss ins Leben gerufen wurde. Ein weiteres Original namens „Bipolar“ wird sich auf einer VA-Vinyl finden, welche auf Golden Gate Club Recordings veröffentlicht wird.

Nach und nach werden auch ein paar Remixe für Anouka, Sven Dohse, Leman & Dieckmann und Antialias erscheinen. Letzterer ist in Zusammenarbeit mit meinem guten Freund und Kollegen Jonas Saalbach
entstanden. Ansonsten bastle ich fleißig an neuen Originalen herum, denn ich sammle für mein erstes Album. Ich lasse mir da die Zeit, die es eben braucht und setze mich nicht unter Druck.

Tracklist:

01. Midas 104 – Humming Top
02. Midas 104 – Umbra
03. Midas 104 – Traute
04. Midas 104 – Traute (Sandeman Remix)
05. Midas 104 – Humming Top (Madmotormiquel & Sascha Cawa Remix)