Daniel Solar: „Man sollte der Schnelllebigkeit immer mal wieder etwas entgegenwirken“

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DIKSO feiert dieses Jahr nicht nur fünfjähriges Labelbestehen, sondern auch seinen ersten Albumrelease. Daniel Solar, der das Imprint mit Andi De Luxe gründete, erfüllt sich mit „Rubicon“ einen schon länger existierenden Traum. Aus diesem Longplayer gibt es heute das discoide Stück „Wait & See“ zum ersten Mal in voller Länge zu hören. Anlässlich des Albums sprachen wir zudem mit dem Musikproduzenten aus Berlin.

trndmsk: Wie kam es zu der Idee, ein Album zu veröffentlichen und weg von dem Format der EP oder der Single zu gehen? Im Bereich der Housemusik sind ja Alben eher selten, und gemeinhin haben Tracks dabei eine geringe Halbwertszeit.

Daniel Solar: Mein erstes Release ist dieses Jahr ziemlich genau zehn Jahre her. In der Zeit ist viel passiert, und ich habe wirklich viele EPs, Einzeltracks auf Compilations und Remixe veröffentlicht.

Ich finde, das das Album als Format einfach nochmal einen ganz anderen Charme hat, weil es in gewisser Weise die Möglichkeit bietet, eine Geschichte zu erzählen oder auch einfach Dinge etwas anders anzugehen, als man es vielleicht bei einem 2- oder 4-Tracker machen würde.

Ich verstehe das Album auch selbst ein bisschen als Zusammenfassung meiner bisherigen Veröffentlichungen – ohne tatsächlich Tracks wiederzuveröffentlichen. Aber musikalisch ist es schon so, dass auch Tracks auf dem Album sind, die eher an frühere Produktionen von mir anknüpfen. Das hätte man so auf einer EP vielleicht auch machen können, es würde aber vermutlich keiner verstehen.

Die Idee, ein Album zu machen, habe ich schon länger. Ich habe auch schon mehrere Male angefangen und dann einzelne Tracks doch wieder als EPs oder für Compilations „weggegeben“. Diesmal fand ich aber, dass das zehnjährige Release-Jubiläum – und übrigens auch das fünfjährige Bestehen von Dikso – ein ganz guter Anlass sind, es jetzt einfach mal durchzuziehen.

Es stimmt, dass das Business schnelllebiger geworden ist, und es gab auch durchaus Leute aus meinem Umfeld, die mir eher abgeraten haben, ein Album zu machen. Aber ich persönlich finde, dass man als Musiker oder Produzent irgendwann an den Punkt kommt, wo ein Album durchaus Sinn macht. Zumal ich auch finde, dass man der Schnelllebigkeit immer mal wieder etwas entgegenwirken sollte, denn im Grunde ist diese Entwicklung für das Medium Musik ziemlich bedauerlich.

Wie wurde das Album produziert und wo?

Es sind eigentlich alle Tracks bei mir im Homestudio entstanden. Ich arbeite mittlerweile seit vielen Jahren fast ausschließlich digital. Ich finde, es ist eine der größten Errungenschaften, kein Presets mehr in Synthesizern speichern zu müssen und erst ewig lange umzupatchen, bevor man dann endlich loslegen kann.

Allerdings habe ich während der Entstehung des Albums nach Jahren für einige Tracks meinen alten Sampler und meine Novation Supernova reaktiviert. Einfach weil man mit Hardware doch anders arbeitet und Dinge anders angeht.

Ein großer Teil der Tracks auf dem Album sind neue Produktionen. Es gibt aber auch Tracks, die aus alten Skizzen oder Ideen entstanden sind und auch einen Track, der fast acht Jahre alt ist und bis dahin eigentlich nur in meinem Liveact-Setup existierte.

Wie lange hast du daran gearbeitet?

Schwer zu sagen. Ich hab mir relativ viel Zeit genommen und tatsächlich eher Phasenweise an dem Album gearbeitet. Der Entschluss, jetzt wirklich ein Album zu machen, kam vor ungefähr einem Jahr. Es gibt aber auch Tracks auf dem Album, die älter sind, und ich bewusst als Album-Tracks beiseite gelegt habe.

Wer hat dich dabei unterstützt?

Das Album war eigentlich eine ziemlich Ego-Geschichte. Ich hatte eine relativ klare Vorstellung davon, wie ich es haben möchte und war dabei auch relativ wenig kompromissbereit. Deshalb war für mich eigentlich auch von vornherein klar, dass ich das Album selbst auf Dikso veröffentlichen möchte. Ich wollte einfach niemanden haben, der mir reinredet.

Trotzdem gab es natürlich immer wieder Leute, denen ich Tracks gezeigt habe oder verschiedene Sachen besprochen habe. Allen voran natürlich Andi de Luxe, mit dem ich das Label zusammen mache und auch einen Track auf dem Album zusammen gemacht habe. Wichtig ist für mich auch immer Marc Poppcke, mit dem ich mich regelmäßig zu den unterschiedlichsten musikalischen und strategischen Dingen austausche.
Den finalen Mixdown der Tracks habe ich zusammen mit Christoph Ehlers in seinem Studio gemacht, was definitiv auch eine große Hilfe war, weil man gerade bei eigenen Produktionen oft einfach nicht den nötigen Abstand hat.

Tracklist:

01. Daniel Solar – Fascination
02. Daniel Solar – Drowning
03. Daniel Solar & Andi De Luxe – Pushin‘ On
04. Daniel Solar – Wait And See
05. Daniel Solar – Don’t Let Go
06. Daniel Solar – Moment To Shine
07. Daniel Solar – The Flow
08. Daniel Solar – Echoes
09. Daniel Solar – The Void
10. Daniel Solar – Times Of Science
11. Daniel Solar – Friction

Das Album ist seit heute via itunes verfügbar. Alle anderen Shops folgen aber schon am Montag, den 30. November 2015.

Das Gespräch führte Philipp Kutter.