Stefan Neufeld über Immobilien-Heuschrecken und quietschende Autoreifen

Nachdem die Antientertainers im vergangenen Jahr ihr Album rausbrachten, folgte der nächste Schritt: eine Kollektion aus Remixen. Sommerlich klingende Grooves und Melodien erschienen vor knapp drei Monaten auf Schallbox Records. Unter ihnen befand sich eine Version von Stefan Neufeld alias Steve Cole, die bei trndmsk Premiere feierte. Nun sprachen wir mit dem Schweizer über sich und zeigen seinen neuen Edit.

trndmsk: Stefan, du stehst auf adrette Kleidung, oder? Wo hast du dir den Stil angeeignet?

Stefan Neufeld: Mein Vater war einst auf langer Geschäftsreise. Seine zweite Frau zog mir in dieser Zeit abgetragene Designer-Lumpen an. Darin musste ich dann sogar die Kühe auf unserem Landgut melken. Während über mein löchriges Seidenoberteil die frisch gezupfte Milch rann, hörte ich einen Werbespot im Radio. Es sollte ein großes Gaudi zu Ehren der zweitplatzierten Miss Basel-Land ausgerichtet werden. Ich wollte nicht dahin, aber musste es irgendwie. Die böse Stiefmutter, die mich immer gut beratschlug, drohte mir, dies auch zu tun, wenn ich diesen Abend auch noch vor meiner Schreibmaschine versacken würde. Was sollte ich tun? Einerseits mag ich es, wenn die Stiefmama haut, andererseits kannte ich die Schönheit persönlich durch das Lesen eines Interviews. Da erschien mir der Geist Guccio Guccis und überreichte mir einen staubigen Bamboo Bag mit irgendetwas drin. Jahre später schaute ich mal rein, und es war ein Cord-Anzug.

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Kommen wir zu deiner Musik: Wie würdest Du deine musikalische Ausrichtung beschreiben?

In meiner Heimatstadt fraßen einst Immobilien-Heuschrecken sämtlichen Asphalt von den Strassen. Sie fanden einfach nichts anderes, um ihr Geld loszuwerden. Studien der ETH-Zürich ergaben, dass sie immer einer ganz bestimmten Melodie und dem Geräusch von quietschenden Autoreifen folgten. Wahrscheinlich, weil dies eine noch befahr- und damit fressbare Asphaltdecke anzeigte. Ich nahm also meine Schreibmaschine, auf welcher ich all meine Beats programmiere, und tippte, was das Zeug hält. Es entstand eine Melodie von quietschenden Autoreifen und lieblichem Alpenglühn, welche die Schweiz reich machte. Warum also ändern, was änderbar wäre?

Erzähl uns ein wenig von deinem Zuhause. Was passiert dort den ganzen Tag?

Das Interessanteste erzähle ich nicht – oder vielleicht erst später nicht. Ich bin ja meist in unserem Haus unterwegs. Selten treffe ich einzelne Familienmitglieder länger als einige Stunden am Tag. Die Luft in einer so erfolgshungrigen Schicksalsgemeinschaft von Berufs- und Ahnungslosen ist sehr dünn. Man inspiriert sich gegenseitig mit Ideen zu Drehbüchern, z. B. für Benjamin-Blümchen-Filme, schaut und analysiert ausgiebig Dog-TV oder kocht gemeinsam meditativ chinesische Tütensuppen. In diesem melting pot entstehen häufig so interessante Ideen, dass man das Publikum damit überfordern würde.

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Du hast uns ein paar Geschenke mitgebracht. Wie kam es dazu?

Es sind weniger Geschenke, als vielmehr Instrumente, um das Publikum auditiv zu verfolgen. Stell dir eine Party vor, bei der das Publikum vor einem Truck mit einem DJ flieht. Das ist keine Zukunft – das ist ferne Realität! Wir müssten uns dem stellen, wenn wir das wollen.

Dein Abschlussstatement?

Gutes ist egal, wenn das, was egal ist, immer gut ist.