Ars Gratia Sensus – ein Film über Kunst und Kitsch

Vielleicht habt ihr es ja gemerkt: Vor Kurzem hat trndmsk sein fünfjähriges Bestehen gefeiert. Fünf Jahre, in denen sich die elektronische Musik kontinuierlich gewandelt hat. Und fünf Jahre reichen vollkommen aus, damit sich die Welt in diesem Mikrokosmos revolutioniert. So kann an der Historie von trndmsk auch eine Geschichtsschreibung dieses Mikrokosmos vollzogen werden. Es waren Songs wie „One Day“ oder „Sonnentanz“, mit denen trndmsk aufgewachsen ist. Seitdem ist dieser einstige Klang aus dem Untergrund bis an die Oberfläche der Popkultur vorgedrungen. Zuletzt konnte in den späten Neunzigern ein ähnliches Phänomen festgestellt werden, als der treibende Sound der aufkommenden Techno-Kultur die Pop-Songs auf Tanzbarkeit trimmte. Nun ist es nicht verwunderlich, dass jegliche Popularisierung auch mit Kommerzialisierung einhergeht. Die Übermacht des Marktes kann manchmal so einschüchternd wirken, dass sich die leidenschaftlichen Untergrundler zurecht um den Bestand ihrer Kunst sorgen. Dementsprechend ist verständlich, warum eben jene besorgten Künstler abwehrend mit Parolen wie #fuckedm reagieren.

arsgratiasensus

Wir finden, dass dieser ewige Widerstreit zwischen Kunst und Pop nur halb so wild ist. Und weil es auch nach fünf Jahren noch erste Male geben muss, haben wir kurzerhand einen Film dazu gemacht, der die Fronten etwas aufklären soll. Für den Dreh hat es uns vier Tage lang in die Stadt getrieben, in der der Untergrund an die Oberfläche gekehrt ist: Berlin.

Selbstverständlich sind Konflikte wie dieser nichts Neues. Schon Theodor W. Adorno, der Kritiker, Philosoph, Soziologe und Komponist, fasste den Kommerzialisierungsprozess der Kunst unter dem Begriff der „Kulturindustrie“ zusammen. Mit seiner pop-kritischen Ansicht tritt er auch im Film auf. Seiner Meinung nach passe sich alle Kultur innerhalb eines kapitalistischen Wirtschaftssystems an deren industrielle Organisationsformen an. Dazu haben wir einige Stimmen versammelt, die sich ebenso kritisch zum Status Quo der elektronischen Musik äußern. Unsere namhaften aber hier namenlosen Protagonisten gehören zu jenen besorgten Untergrundlern, die ihren Idealismus auch unter dem Druck der Kulturindustrie nicht aufgeben und sich scheinbar bewusst vom Mainstream separieren wollen. Gerne wird deshalb das eigene unabhängige Künstlertum gehuldigt und die hoffnungslos verkaufte Pop-Musik verachtet. Nicht ganz klar ist dabei, wann eine so von sich selbst überzeugte Avantgarde die Grenze zur Arroganz überschreitet. Wenn die eigene absolute Überzeugung jegliches relative Verständnis für Andersartiges ausschließt, ist es sicherlich so weit.

Daher kommt nun Adornos unbeabsichtigter Widersacher ins Spiel. Der Bildhauer, Maler, Professor, Schamane und Filzhut-Fetischist Jospeh Beuys, vertritt wohl einen Kunstbegriff der hier verträglicher funktioniert. Beuys plädiert für einen emotionalen Zugang zur Kunst, um diese von ihrer intellektuell-mystifizierenden Kompliziertheit zu befreien. Erst jetzt, nachdem die zivilisationskranke Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer mit einer Aneinanderreihung von Gedankenströmen dermaßen ausgereizt wurde, kommt es zum eigentlichen Plot Twist. Vielleicht ist das auch gut so, denn um Vorurteile zu überkommen, bedarf es nun mal einer gewissen Zähigkeit, nicht sofort die erste Schublade zu öffnen, um die eigene Wirklichkeit (nur scheinbar) zu ordnen.

Ein Film von Vitus Bachhausen und Rico Stein.

Mitwirkende: Roman Barz, Theodor W. Adorno, Martin Heuser, Philipp Kutter, Moritz Bommert, Joe Scheidemann, Joseph Beuys und Christian Lengeling.

Musik: Theodor W. Adorno („Three short piano pieces“), vitus bachhausen („Back Home“), Rico Stein („It’s The Beat“), dezudemce („fürmichnich“), Rico Stein („Take A Ride“), vitus bachhausen („Drama“), vitus bachhausen („int_0.6“) und Spanks („Peachin'“).

Ein besonderer Dank gilt Roman Barz, Sara Ciabattini, der Philipps-Universität in Marburg und Benjamin Reibert.

Ein Artikel von Vitus Bachhausen.