Melodischer, technoider Puls im Geiste der Zeit – das Debütalbum von Moritz Guhling

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Rough aber klar. Ruhig, aber treibend. Verspielt, aber geradlinig. So hört sich das erste Album von Moritz Guhling an. „Prophet“ ist ein melodischer, technoider Puls im Geiste der Zeit. Neun warme, aber simpel gehaltene Titel fließen quasi durch die Lautsprecher. Ein packendes Album der anderen Art. Wir sprachen mit dem Musiker über seinen Debüt-Longplayer, der am 18. Dezember 2015 via kunsthandwerk erschien.

trndmsk: Wie lange hast Du an dem Album gesessen?

Moritz Guhling: Viele Sachen sind über die Zeit entstanden, ohne dass ich mich hingesetzt und auf ein bestimmtes Ziel hin gearbeitet habe. Dabei sammelten sich vor allem in den letzten Monaten immer mehr Ideen an, die sich langsam zu einem Ganzen fügten. Ein, zwei Stücke entstanden erst im letzten Monat, andere vor einem Jahr. Trotzdem gehörten für mich alle zusammen.

„Prophet“ ist der Titel des Longplayers. Wie kamst Du auf den Namen?

Ich habe den Namen fern ab seiner religiösen Bedeutung gewählt. Nach Definition verkündigt ein Prophet eine Ideologie, die damit verbundene Haltung und Meinung der Menschen zu bestimmten Themen, und wie sie mit diesen umzugehen haben. Dabei ist es erst einmal egal, welcher Natur diese Haltung zugrunde liegt und ob sie überhaupt die richtige ist. Mit dem Album möchte ich Augen öffnen, dazu bewegen, Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Mir ist alles zu schnelllebig, auf Ekstase gepolt. Immer lauter, schneller und dann noch besser – dabei gehen viele Details verloren, die für mich gute Produktionen ausmachen. Mit „Prophet“ versuche ich zu endschleunigen, den Zuhörern die Musik nicht aufzuzwingen, sondern Ihnen die Möglichkeit zu geben, das zu machen, wofür sie da ist – zuzuhören.

Woher kam die Idee zum Longplayer? Wo hast Du Dir die Inspiration für die Stücke geholt?

Die Idee kam erst relativ spät, erst als ich fast alle Tracks fertig produziert hatte. Ich habe immer gedacht, dass es noch nicht an der Zeit sei, ein Album zu veröffentlichen. Im Grunde genommen hat mich die Idee – trotz all dem – nicht abgeschreckt, und ich bin der Meinung, wenn man was zu sagen hat, warum dann damit warten. Es war eine Entscheidung, die ich bewusst getroffen habe, denn genau wie bei meinen Produktionen hängen sie von meinem Empfinden in dem jeweiligen Moment ab. Es gibt diese berühmten Geistesblitze für Melodien, Akkordfolgen und seit Neustem, die ganz beliebten Arpeggiator-Programmierungen, aber die feiern vielleicht einmal im Jahr ihr Aufleben. Das soll nicht heißen, dass sie bei mir nicht willkommen wären. Ich verlasse mich da aber lieber ganz auf meine unverfälschten Gedanken, auf den Moment mich selbst einzufangen. Daher ist die Grundstimmung von „Prophet“ eher verschlossen, was nicht zuletzt dazu führt, hinter die Klangkulisse blicken zu wollen.

Wieso das Release auf kunsthandwerk?

kunsthandwerk begleitet mich und meine musikalische Entwicklung seit Tag eins, und ich fühle mich nach wie vor sehr gut aufgehoben. Mittlerweile sind wir zu einer Gruppe von großartigen Künstlern mit enorm viel Potential zusammengewachsen – fast schon mit Familiencharakter. Daher ist es immer schön, nach Köln eingeladen zu werden. Zudem haben die Jungs eine Menge Verständnis für die Auswahl Ihrer Acts, was ich sehr zu schätzen weiß. Viele richten sich lediglich an den potentiellen Verkäufen, die sie mit dem jeweiligen Künstler erzielen. kunsthandwerk versucht aber nicht abzugreifen, sondern aufzubauen, um Ihr Label musikalisch ernstzunehmend zu gestalten. So entsteht eine klare Linie, die so manchem Label fehlt.

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Wie war das Feedback zum Longplayer?

Grundsätzlich positiv, zumindest, was Ich bisher mitbekommen habe. Speziell auf das Album bezogen haben mir einige Künstler und Kollegen großes Lob ausgesprochen – natürlich sind die eigenen Eltern auch stolz wie Oskar. Das lässt natürlich alle anfänglichen Zweifel verblassen. Vielen gefällt die Entwicklung, die ich genommen habe, sagen mir erfolgreiche Jahre voraus. Doch soweit möchte ich gar nicht denken, alles zu seiner Zeit.