Spartaque: „Deutschland ein Techno-Land. Ich liebe das Publikum dort und die Atmosphäre“

Der aus der Ukraine stammende DJ und Produzent Spartaque ist nun schon ein paar Jahre dabei und hat sich über die Zeit einen Namen in der internationalen Techno-Szene erspielt. Sein Durchbruch kam 2007, als er auf dem Global Gathering Festival in der Ukraine spielte. Seit dem scheinen ihm die Gigs nur so zuzufliegen. Gigs in Europa und später auch weltweit machen ihn mittlerweile zu einer festen Instanz im Techno-Zirkus. Doch nicht nur seine Gigs werden gefeiert, auch seine Produktionen für Labels wie Phobiq und Remixproduktionen sowie seine eigenen Labels stoßen auf Gegenliebe der Szene und DJs. Derzeit besonders frequentiert sind die Videolivemitschnitte auf Facebook seiner Gigs. Spartaque hat nun nicht nur einige Dates in Deutschland in diesem Sommer wie auf dem Summer Visions Festival, sondern auch einige spannende Veröffentlichungen anstehen, so dass wir uns mit ihm unterhalten haben.

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trndmsk: Wie würdest du deinen Sound in drei bis fünf Worten beschreiben?

Spartaque: Ich würde ihn als intensiven, aufputschenden und dynamischen Techno bezeichnen. Mit meiner Musik zeige ich, was für eine Person ich bin. Ich bin wie eine Lokomotive. Wenn ich mein Ziel angepeilt habe, lasse ich mich durch nichts stoppen. Daher ist meine Musik kompromisslos und gleichzeitig kraftvoll und antreibend. Wenn ich Musik schreibe, bin ich mit mir im Reinen und lasse mich durch nichts ablenken.

Was beeinflusst dich zurzeit am meisten?

Es ist schwierig, da eine bestimmte Sache hervorzuheben. Ich versuche immer, möglichst alle mir zur Verfügung stehenden Optionen auszuschöpfen. In erster Linie höre ich mir Musik unterschiedlicher Genres an, nicht nur Drumcode, was meinem Stil am ehesten entspricht. Zu nennen wären hier z.B. Josh Wink, Nicole Moudaber oder Carl Cox. Die Liste mit Künstlern, die mich inspirieren, ist lang. Ich würde mir auch ein paar Tage George Michael und Elton John anhören.

Ich beobachte zwar, was in der Technokultur passiert, aber ich höre wie gesagt nicht nur Techno. In meiner Freizeit versuche ich davon Abstand zu nehmen, um des Ganzen nicht überdrüssig zu werden. Wahrscheinlich ist gerade das die beste Inspiration, sich von dieser Musik einfach mal eine Pause zu gönnen. Zusammenfassend kann ich sagen: Um gute Tracks zu schreiben, brauche ich Ruhe, ohne dabei die Szene aus den Augen zu verlieren.

Du haste gerade einen großartigen Mix für die Podcastserie von Tronic gemacht. Wie kam es dazu?

Vielen Dank! Ja, in der Tat wurde der Mix gerade letzte Woche veröffentlicht und ich freue mich sehr darüber. Ich bin immer sehr gespannt auf neue Tronic-Releases und die Podcasts begleiten mich immer, wenn ich trainiere oder ich unterwegs bin. Deswegen ist es toll für mich, nun Teil davon zu sein. In den letzten zwei Monaten haben wir viel über Demos von mir diskutiert und evtl. wird eine EP auf Tronic veröffentlicht.

Einer der Tracks wurde für eine Various-Artists-Compilation genommen und als mir die Jungs den Podcast vorgeschlagen haben, habe ich natürlich zugesagt. Das ist schließlich die perfekte Promo für mich, ich habe so viele Tracks wie möglich von meinen Labels mit reingenommen. Ich poste den Mix fleißig auf all meinen Social-Media-Kanälen und das Feedback ist großartig, viele meiner Freunde und verschiedene Künstler haben meinen Mix geteilt. Das zeigt mir, dass ich mit den Tracks auf meinen Labels ein gutes Händchen habe. Daher bin ich sehr dankbar für den Podcast, und freue mich, dass das freundschaftliche Verhältnis mit TRONIC weiter wächst und hoffentlich kommen nach dem Podcast noch weitere interessante Tracks und Kollaborationen zustande. Wir sind jedenfalls weiterhin in Kontakt und ich bin mir sicher, dass wir die Musikwelt auch künftig beglücken werden.

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Du hast vor ein paar Monaten auch ein Release auf Phobiq rausgebracht. Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?

Auf Phobiq zu veröffentlichen ist gigantisch für mich. Ich liebe das Label, in jedem meiner Sets spiele ich bis zu vier Tracks von ihnen. Phobiq ist eine super Referenz für jeden Techno-Künstler. Viele der wichtigsten Künstler haben Phobiq auf dem Radar, supporten die Tracks, die dann wiederum in den Charts aufsteigen. Darüber hinaus respektiere ich Sasha Carassi sehr, ich spiele viele seiner Tracks. Deshalb war es so wichtig für mich, auf Phobiq veröffentlicht zu werden, was allerdings nicht gleich bei meinem ersten Versuch geklappt hat. Ich habe Sasha schon ein paar Mal Demos geschickt, aber erst beim dritten Anlauf hat er vier meiner Tracks gesignt. Ich sehe das als enormen Schritt in meiner Produzenten-Karriere und als großartige Möglichkeit, mich zu präsentieren. Das Release schlug ein wie eine Bombe, war lange in den Beatport Top100, viele DJs haben es supportet. Wenn ich in einen Club komme, sprechen mich die Resident-DJs darauf an, dass sie die Tracks lieben und gerne hören. Ich werde Sasha bis zum Ende des Jahres noch weitere Demos schicken und hoffen, dass sie ihm gefallen. Wir werden bestimmt noch öfter mit Phobiq zusammenarbeiten.

Du hast nun schon die ganze Welt bereist. Wo gibt es die besten Partys?

Ja, ich bin schon gut rumgekommen: Nordamerika, Lateinamerika, Europa und Asien. Vor kurzem war ich auch das erste Mal in Afrika, in Tunesien. Am liebsten spiele ich in Europa, weil ich nicht gerne fliege und die Flüge dorthin nicht so lange dauern. Spanien ist toll, genauso wie Portugal, Deutschland oder Großbritannien. Diese Länder stehen mir sehr nah, ich liebe Europa.

Viele meiner Kollegen sind verrückt nach Lateinamerika, was ich auch gut verstehen kann. Die Leute dort sind treue Anhänger der Techno-Kultur und wissen, was abgeht und sind immer auf dem neuesten Stand. Gerade in letzter Zeit sind in Argentinen auch viele Produzenten positiv in Erscheinung getreten. Ich habe deren Tracks schon ausprobiert, sie funktionieren und kommen auf der Tanzfläche super an. Ich bin auch gerne in Nordamerika, wenngleich die Begeisterung für Techno dort erst anfängt zu wachsen und daher etwas geringer ausfällt. Insgesamt haben noch viele Länder Entwicklungspotential im Hinblick auf Techno.

Du hast in Deutschland schon in vielen Clubs gespielt – z. B. im Lehmann oder Tanzhaus West. Was war bisher für dich das Beeindruckendste in Deutschland?

Da hast du ja schon zwei tolle Locations genannt. Ich habe schon häufig in Deutschland gespielt, aber diese beiden Clubs und deren Events sind wirklich richtig cool. Ich liebe das Publikum dort und die Atmosphäre. Ich hatte zuvor schon viel über das Lehmann gehört und als ich dann da war, war ich überwältigt vom Publikum, seiner Hingabe und seinem Feedback. Auch die Party im Tanzhaus West war super, es muss um Weihnachten gewesen sein, es waren so viele Leute da. Ich hatte echt eine tolle Zeit und hoffe, dass ich bald wieder dort sein kann. Allgemein ist Deutschland ein Techno-Land, es gibt so viele Locations, wo ich wirklich gerne gespielt habe.

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Aber ein Meilenstein für mich war die Love Parade 2010 in Duisburg. Ich war so happy, dass mein Freund Denis A. aus Moskau mich eingeladen hatte. Ich erinnere mich, dass Pig und Dan Headliner waren. Leider wurde das Ereignis von dieser furchtbaren Tragödie überschattet, bei der viele Menschen wegen einer Massenpanik verletzt worden oder sogar zu Tode gekommen sind. Erst spät in der Nacht haben wir von dem Unglück erfahren. Das war natürlich eine furchtbare Nachricht.

Meine Karriere läuft gut und ich bin mir sicher, dass ich noch öfter nach Deutschland kommen werde, da es einfach das perfekte Land für Techno ist.

Was steht in den nächsten Monaten noch bei dir an?

Derzeit habe ich viel vor. Ich mache weiter Musik und erwarte die Veröffentlichung von fünf Releases. Als erstes werdet ihr meinen Remix auf meinem Label, IAMT, für den kroatischen Produzenten und DJ Adoo hören. Gerade heute wurde mir die Veröffentlichung zweier meiner Tracks auf Compilations bestätigt – auf Tronic (Christian Smith) und auf Transmit (Boris). Ich bewundere die Musik der beiden Jungs und spiele ständig Tracks ihrer Labels und freue mich natürlich sehr über die Zusammenarbeit.

Ende Mai kommt mein Release auf Reload Black FMLY, einem neuen Label guter Freunde von mir, The YellowHeads. Die Jungs sind in der Techno-Szene weltbekannt. Sie haben drei Labels: Reload, Reload Black und Reload Black FMLY. Letztgenanntes ist bekannt dafür, dass man da nur schwer reinkommt, daher freue ich mich umso mehr, dass die Jungs mit mir zusammenarbeiten.

Dann kommt natürlich auch noch mein Lieblingslabel Codex, mein liebster Sprössling. Ich bin gerade in den letzten Zügen einer Kollaboration mit dem ukrainischen Produzenten Alan Wools. Der Name mag noch nicht so bekannt sein, aber glaubt mir, seine Produktionen sind großartig und die Zusammenarbeit mit ihm macht richtig Spaß. Darüber hinaus läuft mit ihm auch noch ein Projekt mit Skober. Einer der Tracks ist bereits fertig, der andere wird demnächst kommen, ebenfalls auf Codex. Für September ist noch ein Release auf Riot geplant, dem Label von Frankyeffe.

Wie ihr seht, brodelt es. Es stehen einige Veröffentlichungen an und ich werde noch weitere Demos an andere Labels schicken. Es macht mich glücklich, dass so viel tolle Musik veröffentlicht werden wird.