Viele Vocals, Melodien und eine stetig steigende Geschwindigkeit – der Wilde Möhre-Mitschnitt von Isabeau Fort

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„Dachgeschoss, der mich schon des öfteren zu seinem Techtakel nach Berlin eingeladen hatte, fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, beim Showcase neben Schmitzkatzki, Nicorus und ihm beim Wilde Möhre Festival zu spielen“, sagt Isabeau Fort. Die Musikerin fackelte nicht lange und stimmte direkt zu. Schon zwei oder drei Monate vorher wurde ihr Möhre-Ordner auf dem Desktop immer wieder mit neuen Track-Entdeckungen gespeist, bis sich dort wenige Tage vor dem Festival an die 90 Tracks befanden, die sie mit Bedacht ausgewählt und dann fein säuberlich sortiert hatte. „Da wir mit meiner Crew vom Cellarius Kollektiv die Gestaltung des Kraut und Rüben-Floors auf dem Festival übernehmen durften, war ich schon Wochen vorher auf dem Gelände und werkelte in den Wäldern von Drebkau. Die Halle lag in unmittelbarer Nähe zu unserem Floor, weshalb ich hier und da schon mal neugierig durch die Fenster spähte. Wir bekamen irgendwann die Erlaubnis, dort mal streunen gehen zu dürfen.“ So zogen sie – bewaffnet mit Taschenlampe und Brecheisen – los und öffneten das Stahltor. „Dort war es magisch“, so Fort, „die Wände waren komplett schwarz und nur durch ein paar Fenster oberhalb der Decke brach Licht hinein.“

Wie ein Balrog, der zwischendurch auch mal grinst

Ein guter Freund von ihr, der am Sonntag das Closing des Floors spielte, stand neben ihr in dem Raum und schon dort grinsten sie sich an. „Das wird fett“, sagte er. „Ich nickte und malte mir schon aus, wie ich diesen Raum zum Leben erwecken möchte. Mit dieser Impression im Kopf fuhr ich an die Nordsee zu meinen Eltern.“ Irgendwas episches für das Intro musste her, was für Gänsehaut sorgt und das Feuer anfacht, dachte sich Fort. „Auf dem Weg ins holländische Groningen summte ich meiner Freundin Lola im Auto eine Melodie vor, die sie sofort erkannte. Einige Stunden später saß ich in der Küche vor dem Bildschirm und bastelte bereits an den ersten Minuten, die die in den nächsten drei Stunden nie aufhörende Bassline des Sets ins Rollen bringen sollten. Wie ein Balrog, der in allen Farben leuchtet und dich zwischendurch aber auch mal angrinst – so stellte ich mir mein Set vor. Also nicht nur böse Bässe, sondern auch viele Vocals, Melodien und eine stetig steigende Geschwindigkeit.“

Glückliche Menschen mit Schweißperlen im Gesicht

Die Stimmung während ihres Auftritts sei absolut berauschend gewesen: „Sowas hab ich noch nie erlebt. Dadurch, dass unser Kollektiv plus Freunde und Freundinnen auf dem Festival waren, puschte sich die Stimmung schon den ganzen Freitag in unserem großen Camp immer weiter hoch. Als ich in der Dunkelheit eine halbe Stunde vor dem Opening zum Soundcheck ging, wartete schon eine Traube Menschen vor der großen Stahltür.“ Die Leute hatten Bock, so Fort. Noch während des Soundchecks, als noch nicht mal die Bar ganz aufgefüllt war, ermächtigten sich die Wartenden einfach selbst und strömten hinein und sprangen wild vor den Boxen rum, obwohl die Anlage nur auf Halbmast lief: „Als wir dann voll aufdrehten und das Intro reinlief und alle euphorisch anfingen zu pfeifen und kreischen, war eigentlich schon klar, dass es wild werden wird. So wars dann auch.“ Es gab viel Feedback vom Publikum für sie: „Eigentlich bei jeder Drop stieg die Geräuschkulisse von neuem an. Wann immer ich hochgeguckt habe, schaute ich in die Gesichter von glücklichen Menschen, denen wie mir die Schweißperlen vom Gesicht liefen und sich die Seele aus dem Leib tanzten. Drei Stunden lang.“ Ein Track im Set hat es hier besonders angetan: „Fellin’U“ von Kristina Lalic und Steve Shaden im Remix von Spartaque. „In den schnelleren Sets von mir hört man derzeit auf jeden Fall auch „Continue“ von Blue Amazon und Brent Lawson im Remix von Quivver, Drexlers Track „Erizo“ im Gaga-Remix und „So Good“ von Monika Kruse sowie Pig&Dan.“

Tracklist:

01. Soul Clap – The Hourchild Introduces
02. Era – Ameno
03. Jeremy Olander – Taiga
04. Blue Amazon, Brent Lawson – Continue (Quivver Remix)
05. Ron Coasta – Hourncase
06. Adrian Hour – Fundis
07. Ilija Djokovic – Knockout
08. Drexler – Erizo (Gaga Remix)
09. Citizen Kain – The Elephant (Cosmic Boys Remix)
10. Drunken Kong – Origin
11. Monika Kruse, Pig&Dan – So Good
12. Mr. Bizz, Alberto Ruiz – Scatter
13. Vincent VanDamm – Last Chance
14. Quivver, Steven Rivic – Subconscious (Soul Trader Remix)
15. Vincent VanDamm – Phantom Self
16. Drunken Kong – Sky High
17. Jay Lumen – Dark Rooms
18. Eric Seno – Chord Challenge (Ron Costa Remix)
19. Oliver Koletzki & Reinier Zonneveld – Cold Conquest
20. Spektre, Luca Gaeta – Ascension
21. Nicole Moudaber, Skin – These Walls Are Made Of Water
22. Alessandro Spaiani – All Around (Inphasia & Nodin Remix)
23. Balthazar & Jack Rock – Forget (Giorgio Rusconi & Deborah De Luca Remix)
24. Christian Smith – Initiate Sequence (Julian Jeweils Remix)
25. The Reactivitz – You
26. Kristina Lalic – Fellin’U
27. Luca Gaeta – Line
28. Dubfire, Oliver Hunteman – Humano (Victor Ruiz Remix)
29. Weska – Conscious
30. Charlotte De Witte – Watching
31. Lander B, Oscar Escapa – El Juez
32. Louis Ribalta – Night Trip
33. Kardinal, Lowkey – Blue Gravity (Vincent Hielt & Digital Session Remix)
34. Sascha Ciccopiedi – Celebrate (Massive Moloko & Zoltan Stadler Remix)
35. Muska, Alan Hash – Abilities