„Ich habe bei dieser Platte sehr viele folkloristische Elemente einfließen lassen“ – Parra for Cuva veröffentlicht mit „Paspatou“ sein drittes Album

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Der deutsche Künstler Parra for Cuva hat sich in den letzten drei Jahren mit der Veröffentlichung seiner ersten beiden Künstleralben „Majouré“ und „Darwis“ sowie einiger viraler Remixes eine starke Nische aufgebaut. Jetzt läutet er den nächsten Schritt ein: Sein drittes Album, „Paspatou“, erscheint ohne Label. Wir sprachen mit Nicolas Demuth über den Longplayer und die Geschichte hinter der Kollektion.

trndmsk: Nicolas, wie lange hast Du an „Paspatou“ gesessen?

Park for Cuva: Wenn man ein Album schreibt, erwartet jeder, der ein bisschen Ahnung davon hat, eigentlich sofort, dass man sich damit mindestens mehr als zwei Jahre intensiv beschäftigt. Das mag auf „Paspatou“ auch im gewissen Maße zutreffen. Ich schreibe gerne Alben, daher kam die Idee natürlich wie immer nach dem letzten Release. Nach dem ich vor zwei Jahren mein Bachelor in Sounddesign absolviert hatte, wohnte ich noch in Kreuzberg, wo ich eigentlich erstmal gar nichts gemacht habe, außer Gigs spielen. Natürlich gab es lange Nächte, an denen ich an neuen Songs saß, aber wirklich was brauchbares kam in dieser Zeit nicht zustande. Ich bin der Überzeugung, dass der Ort des Schaffens eine sehr große Rolle spielt. Ein kreativer Rückzugsort, in dem man viel und gut alleine sein kann. Diesen Ort fand ich, als ich mein Studio, in dem ich auch gerade sitze, in Schöneberg bezog. Wenn man aus dem Fenster schaut, ist alles sehr grün und ruhig, was in Berlin schwer zu finden ist. Das Studio ist etwas schummrig beleuchtet, voller alter Perserteppiche und Möbel und bestückt mit vielen Instrumenten. Hier verbrachte ich die letzten Monate jeden Tag. So ging es verhältnismässig schnell, die Songs zu schreiben.

Wie bist Du auf den Titel des Longplayers gekommen? Hat er eine tiefere Bedeutung?

Der Name „Paspatou“ war keineswegs ein Name oder Titel, der mir einfach einfiel. Es ist auch immer schwierig, zwölf Songs, die ein gesamtheitliches Konstrukt ergeben sollen, mit einen bedeutungsträchtigen Namen zu versehen. Letztendlich sitzt man immer da und denkt, dass es ja nun alles schön und gut ist. Nur wie nenne ich meine Arbeit jetzt? In diesem Falle war es einfach der Song „Paspatou“, der mich überzeugt hat. Ich höre sehr gerne Hörbücher und meine Sammlung umfasst gut 100 Stück. Nachdem ich den Song halb fertig hatte, lag ich im Bett und hörte Jule Vernes‘ „In 80 Tagen um die Welt“. Dabei gibt es einen Charakter mit dem Namen „Passepartout“. Da ich mir immer gerne Namen ausdenke und dieser etwas zu kompliziert in seiner Schreibweise ist, wandelte ich ihn in Paspatou um. Natürlich ist der Name und die dahinter stehende Geschichte nicht sehr bedeutend, aber ich mag den Klang und die Eigenheit dieses Namens sehr.

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Foto: Niklas Freund

Wo hast Du Dir die Inspiration für die Stücke geholt?

Eine schwierige Frage, da man oft auch ganz ohne eine bestimmte Inspiration an die Musik geht. Generell ist es sehr ernüchternd, da es erst einmal hilft, sich jeden Tag hinzusetzen, um etwas zu schaffen. Natürlich spielt auch die Zeit und Erfahrung hier eine große Rolle. Ich möchte immer, dass die Musik, die ich für würdig genug erachte, zu veröffentlichen, auch immer diejenige ist, die technisch und künstlerisch besser ist als die vorige. Generell habe ich bei dieser Platte sehr viele folkloristische Elemente einfließen lassen. Ambiente, Stimmen, Rhythmen und so weiter. Sei es von den Platten, die man sich immer auf dem Flohmarkt für 5,- € kauft, von denen man nie weiß, was wirklich zu hören sein wird. Oft sieht man nur einen indianischen Stamm mit ein paar Instrumenten abgebildet. Dabei trifft man oft Nieten, aber ab und an findet man doch etwas, was dann wirklich gut ist. Ich verwende auch Aufnahmen von meinen Reisen nach Indien und überall, wo es ich mich in den letzten zwei Jahren hin verschlagen hat.

Wie kam es zu den Kollaborationen?

Es war mir sehr wichtig, dieses Mal mehrere Musiker in mein kleines Refugium einzuladen, da ich gerne so viel akustische Elemente wie möglich verwenden wollte.
Ein guter Freund von mir, Sam Evan, auch bekannt als Raindog, welcher auf Project Mooncirle zwei wirklich sehr gute Longplayer veröffentlicht hat, kam des Öfteren mit seiner Gitarre und dazugehörigen Verstärker vorbei. Dabei ist es ihm hoch anzurechnen, immer sein ganzes Equipment in der U7 zwischen Neukölln und Schöneberg hin und her geschleppt zu haben. Da ich immer noch ein großer Fan von Songs mit Voclas bin, fragte ich die Sängerin May, die ich durch die Kollaborationen mit Robot Koch kennengelernt habe, ob sie die Muse hätte, auf zwei meiner Stücke zu singen.

Wie war das bisherige Feedback zum Longplayer?

Es gibt natürlich dutzende Menschen, die bei einem Album mitwirken. Die einem Feedback geben, aufmuntern weiterzumachen, wenn man gerade ein Tiefpunkt erreicht hat und die, die sich um alles kümmern. Daher nochmal ein danke an alle, die die ich hier nicht alle auflisten kann. Meine Fans sind sehr lieb und schreiben mir immer gerne positives Feedback, worüber ich sehr glücklich bin.

Wo kommt das Album raus?

Das interessante ist, dass ich dieses mal auf ein Label verzichtet habe. Ich bin ein großer Fan von guten geführten und stilsicheren Labeln. Es ist nur leider so, dass mit der zunehmenden Digitalisierung ein Label fast schon etwas altmodisch ist, da man, wenn man die richtigen Leute an der Seite hat, es auch nur mit einem Digitalvertrieb schafft, seine Musik zu veröffentlichen. Das hieß für uns, dass wir sehr viel mehr arbeiten mussten als sonst. Dafür hat man im Gegenzug komplette Freiheit. Aber ich möchte unterstreichen, dass Labels wirklich eine sehr wichtige Arbeit in dieser schnell lebigen Zeit verrichten und einen großen Beitrag an der Kunst haben, da sie sich trauen, jungen und unbekannten Künstlern eine Chance zu geben. Manche sind eben besser und stilsicher und manche wollen lediglich den schnellen Erfolg.

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Foto: Niklas Freund

Wie geht es nach der Veröffentlichung weiter? Was sind Deine nächsten Pläne?

Still sitzen bleiben und nichts tun kann ich sehr schwierig, daher trifft es sich ganz gut, dass ich bereits mit einem guten Freund aus Berlin an einer EP arbeite, die 2019 erscheinen wird. Natürlich geht es wieder auf Tour, was sehr spannend wird. Ich freu mich erstmal, dass das Album raus ist und bin auf all das gespannt, was daraus resultiert.

Das Album ist seit dem 22. November 2018 im Handel erhältlich.

Tracklist:

01. Parra for Cuva – Paspatou
02. Parra for Cuva – Out Here With Us
03. Parra for Cuva – Useless Magic
04. Parra for Cuva – Cupa Cupa
05. Parra for Cuva – Temperature Of Traveling
06. Parra for Cuva feat. May – Cleopatra
07. Parra for Cuva – Of Wonder
08. Parra for Cuva – Harp Song
09. Parra for Cuva feat. M.lost – Miss Is Ou
10. Parra for Cuva – Nevis
11. Parra for Cuva – Seven Temples
12. Parra for Cuva feat. May – While You Sleep